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Notizen aus Leipzig

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Buch Rezension

Longlist uund Finalisten zum Deutschen Buchpreis 2018

12. September 2018 Gepostet von Unknown 0 Kommentare
Die Longlist für den deutschen Buchpreis 2018 aus allen zwischen Oktober 2017 und dem 11. September 2018 (Bekanntgabe der Shortlist) erschienenenen Büchern. Mein Favorit: Angelika Klüssendorf, Jahre später. 
Hier die Übersicht: 
Carmen-Francesca Banciu, Lebt wohl, Ihr Genossen und Geliebten! (PalmArtPress, März 2018)
María Cecilia Barbetta, Nachtleuchten (S. Fischer, August 2018)
Maxim Biller, Sechs Koffer (Kiepenheuer & Witsch, September 2018)
Susanne Fritz, Wie kommt der Krieg ins Kind (Wallstein, März 2018)
Arno Geiger, Unter der Drachenwand (Carl Hanser, Januar 2018)
Nino Haratischwili, Die Katze und der General (Frankfurter Verlagsanstalt, August
2018)
Franziska Hauser, Die Gewitterschwimmerin (Eichborn, Februar 2018)
Helene Hegemann, Bungalow (Hanser Berlin, August 2018)
Anja Kampmann, Wie hoch die Wasser steigen (Carl Hanser, Januar 2018)
Angelika Klüssendorf, Jahre später (Kiepenheuer & Witsch, Januar 2018)
Gert Loschütz, Ein schönes Paar (Schöffling & Co., Februar 2018)
Inger-Maria Mahlke, Archipel (Rowohlt, August 2018)
Gianna Molinari, Hier ist noch alles möglich (Aufbau, Juli 2018)
Adolf Muschg, Heimkehr nach Fukushima (C.H.Beck, Juli 2018)
Eckhart Nickel, Hysteria (Piper, September 2018)
Josef Oberhollenzer, Sültzrather (Folio, März 2018)
Susanne Röckel, Der Vogelgott (Jung und Jung, Februar 2018)
Matthias Senkel, Dunkle Zahlen (Matthes & Seitz Berlin, Februar 2018)
Stephan Thome, Gott der Barbaren (Suhrkamp, September 2018)
Christina Viragh, Eine dieser Nächte (Dörlemann, Februar 2018)

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Bibliothek Buch Literatur Rezension

Die Longlist zum Deutschen Buchpreis 2016

28. Oktober 2016 Gepostet von Unknown 0 Kommentare
Der Perlentaucher veröffentlichte heute die Longlist zum deutschen Buchpreis. Fast alle wurden dort schon besprochen, und entsprechend verlinkt. Ich habe gerade André Kubiczek "Skizze eines Sommers" gelesen, und bin, da natürlich in genau der Altersgruppe und der Verortung, wohl etwas voreingenommen. Aber ich fand es ein sehr schönes Buch. In einer Reihe von Coming-of-age-Romanen kann man ihn ohne weiteres neben Plenzdorf, ja, neben Salinger stellen. Schön die intensiven Beschreibungen der Mittachtziger in der DDR, auch wenn wohl, falls und vermutlich autobiographisch geprägt, er wohl Glück hatte.

Hier die Longlist.

Akos Doma: "Der Weg der Wünsche" Rowohlt Berlin, August 2016

Gerhard Falkner: "Apollokalypse" Berlin Verlag, September 2016

Ernst-Wilhelm Händler: "München" S. Fischer, August 2016

Reinhard Kaiser-Mühlecker: "Fremde Seele, dunkler Wald" S. Fischer, August 2016

Bodo Kirchhoff: "Widerfahrnis" Frankfurter Verlagsanstalt, September 2016

André Kubiczek: "Skizze eines Sommers" Rowohlt Berlin, Mai 2016

Michael Kumpfmüller: "Die Erziehung des Mannes" Kiepenheuer & Witsch, Februar 2016

Katja Lange-Müller: "Drehtür" Kiepenheuer & Witsch, August 2016

Dagmar Leupold: "Die Witwen" Jung und Jung, September 2016

Sibylle Lewitscharoff: "Das Pfingstwunder"  Suhrkamp, September 2016

Thomas Melle: "Die Welt im Rücken" Rowohlt Berlin, August 2016

Joachim Meyerhoff: "Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke" Kiepenheuer &Witsch, November 2015

Hans Platzgumer: "Am Rand" Paul Zsolnay, Februar 2016

Eva Schmidt: "Ein langes Jahr" Jung und Jung, Februar 2016

Arnold Stadler: "Rauschzeit" S. Fischer, August 2016

Peter Stamm: "Weit über das Land"  S. Fischer, Februar 2016

Michelle Steinbeck: "Mein Vater war ein Mann an Land und im Wasser ein Walfisch" ,Lenos, März 2016

Thomas von Steinaecker: "Die Verteidigung des Paradieses"  S. Fischer, März 2016

Anna Weidenholzer: "Weshalb die Herren Seesterne tragen" Matthes & Seitz Berlin, August 2016

Philipp Winkler: "Hool" Aufbau, September 2016
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Geschichte Rezension Rußland

Gelesen: Timothy Snyder: bloodlands - Europa zwischen Hitler und Stalin
Drei Tragödien bestimmen die Geschichte Europas

1. März 2012 Gepostet von Unknown 0 Kommentare
Drei Tragödien bestimmen die Geschichte Europas 

Normalerweise ernten wissenschaftliche Werke selten diejenige Aufmerksamkeit der nichtakademischen Welt, die ihnen ob des Inhaltes zustehen müsste. Das aktuelle Buch »Bloodlands. Europa zwischen Hitler und Stalin« des amerikanischen Historikers Timothy Snyder stellt hier sicherlich eine Ausnahme dar, wurde es doch gerade in Deutschland auch in den großen Feuilletons intensiv diskutiert. Und nach seiner Nominierung für den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung ist ihm wohl erneut größere Aufmerksamkeit sicher. Warum das? Snyder untersucht in "Bloodlands" drei miteinander eng verknüpfte geschichtliche Tragödien, die selten so zusammengebracht werden: Stalins Terrorkampagnen, den Holocaust und den Hungerkrieg gegen Kriegsgefangene und die nichtjüdische Bevölkerung. Diese großen menschlichen Tragödien fanden in einem relativ eng begrenzten Raum statt: im Osten des 1920 neu gegründeten Königreichs Polen und im Westen der Sowjetunion, vor allem in Weißrussland und der Ukraine. Diese Gebiete sind fast deckungsgleich mit dem damaligen jüdischen Siedlungsgebiet in Polen und der Sowjetunion. Auf diesem relativ kleinen Territorium starben in den Jahren von ca. 1930 bis 1945 nahezu 14 Millionen Menschen, nicht in kriegerischen Auseinandersetzungen, sondern weil über ihren Tod „entschieden“ wurde. Sie verhungerten, wurden vergast oder erschossen. Snyder eröffnet somit einen neuen Blick auf die Geschichte des 20. Jahrhunderts, einen Blick, in dem sich erschließt, dass vor dem Überfall Nazideutschlands auf die Sowjetunion Stalin dort bereits Millionen Menschen getötet hatte- außerhalb eines Krieges, während des „Großen Terrors“ der Jahre 1937/1938 und in den unvorstellbaren Hungertragödien in der Kornkammer Europas, der Ukraine. Seit dem Sputnik-Verbot 1988, in dem erstmals aus den durch Gorbatschow geöffneten Archiven der Geheimpakt zwischen Hitler und Stalin bekannter wurde, ist es ein immer noch oft vergessener Aspekt, dass Polen von den Nazis und der Roten Armee in einer parallelen Aktion angegriffen wurde. Diese neue Akzentuierung ist wichtig, da es oft vergessen wird in unserer Erinnerung. In den 30er Jahren begann Stalins gigantische Landwirtschaftsumwälzung, die in einen „Krieg“ gegen die sogenannten Kulaken gipfelte. Dieser „Krieg“ wandelte sich aber schnell zu einem Krieg gegen die Landbevölkerung, was Ende 1933 zu einer massiven Hungersnot führte. Im selben Jahr kam in Deutschland Hitler an die Macht und begann sein Projekt „Lebensraum im Osten“. Dorthin sollten tausende Deutsche ziehen – dafür sollte zunächst die dort lebende Bevölkerung eliminiert werden. Allein in der Ukraine starben unter Stalin in den 30er Jahren ca. 4 Millionen Menschen durch menschgemachte Hungersnöte. 1931 wurde als Resultat eines unsinnig hohen Abgabesolls über die Hälfte des Weizens aus der Ukraine abtransportiert. Viele Kolchosen konnten ihre Ablieferungsquoten nur erfüllen, indem sie – auf Stalins Befehl – ihr Saatgut abgaben. Das führte im kommenden Jahr zu einer extremen Mangelernte. Selbst die ukrainische KP bat Stalin angesichts der drückenden Probleme um Aufschub: Fehlendes Saatgut, späte Aussaat, schlechtes Wetter, zu wenig Maschinen, Chaos von der letzten Phase der Kollektivierung Ende 1931 und hungrige Bauern, die nicht mehr arbeiten konnten. Doch Stalin sah in diesen Problemen nur den Erfolg von Saboteuren. Entsprechend mussten die Menschen leiden. Snyders Analyse zeigt, dass Stalin sehr wohl wusste, was in dieser Zeit in der Ukraine geschah, er beschreibt unvorstellbar grausame Szenen, selbst die eigentlich unbeschreiblichen Szenarien des Kannibalismus, in den die verzweifelten Menschen getrieben wurden. Eine Frau aus Charkow erzählt: „Eines Tages waren die Kinder plötzlich still, wir drehten uns um, um zu sehen, was los war, und sie aßen das kleinste Kind, den kleinen Petrus. Sie rissen ihm Fleischfetzen ab und aßen sie.“ Dann kamen die Nazis. Bevor in den Gaskammern von Auschwitz ab 1943 Millionen Juden vergast wurden, hatten die sog. Einsatzgruppen der Nazis bereits hinter der Front gewütet. Sie zogen von Dorf zu Dorf, mordeten, erschossen, und warfen die Leichen in Massengräber. Fast alle polnischen Juden waren ihnen zum Opfer gefallen. Das bedeutet, dass ca. die Hälfte der Morde an der jüdischen Bevölkerung bereits vor dem industriellen Massenmord in den Tötungslagern Auschwitz, Bergen-Belsen und Treblinka stattfand. Snyder verweist darauf, dass die Juden 1933 etwa ein Prozent der deutschen Bevölkerung ausgemacht hatten, von denen vielen noch in den ersten Jahren der faschistischen Terrorherrschaft die Flucht gelang. Anders in den „bloodlands“, wo der Großteil der europäischen Juden lebte: Vier der sechs Millionen im Holocaust ermordeten Juden stammten aus dieser Region. Auch die anderen zwei Millionen, darunter 165.000 der in Deutschland verbliebenen deutschen Juden, wurden zu ihrer Ermordung in die Todeslager der „bloodlands“ gebracht. Die dritte grausame Methode, die Millionen in diesem Gebiet das Leben kostete, war die primitive Methode des Aushungerns. Allein ca. drei Millionen sowjetische Kriegsgefangene starben in Kriegsgefangenenlagern auf polnischem Territorium an Hunger. Zudem zeigt Snyder den dramatischen Verlust für Polen auf, denn neben den von Stalin angeordneten Massenerschießungen von Katyn, denen Tausende polnische Offiziere zum Opfer fielen, ermordeten die Nazis mindestens zehnmal so viele polnische Offiziere, Akademiker und Hochgebildete. Die unfassbaren Zahlen der Opfer aller drei Verbrechen, mit denen Snyder in seinem Buch argumentiert, sind nicht neu. Aber die Verbrechen in dieser Form neu zusammen zu bringen, sie zusammen zu denken und damit die „bloodlands“ als Raum sichtbar zu machen – darin besteht das große Verdienst der gut lesbaren Analyse von Snyder. Das gemeinsame Sichtbarmachen der ukrainischen Hungersnot, des Holocaust, Stalins Massenerschießungen, des kalkulierten Hungertodes sowjetischer Kriegsgefangener, der ethnischen Säuberungen eröffnet eine neue Perspektive und weckt ein tieferes Verständnis für diese Schreckensgeschichte. Und sei daher jedem zur Lektüre nahegelegt:

Menr hier
http://www.guardian.co.uk/books/2010/oct/09/bloodlands-stalin-timothy-snyder-review http://www.nybooks.com/articles/archives/2010/nov/11/worst-madness/ http://www.thenation.com/article/156518/between-hitler-and-stalin?page=0,2
http://www.eurozine.com/articles/2010-02-18-snyder-de.html

Sehr interessantes Interview mit Timothy Snydeer im Standard hier
http://derstandard.at/1291454186902/Interview-Nicht-die-Nazis-durch-die-Sowjets-erklaeren
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Buch Lesen Rezension

Gelesen: Alice Munro Tricks

16. Juni 2011 Gepostet von Unknown 0 Kommentare
Erst das zweite der wohl bedeutensten kanadischen Schriftstellerin, das ich gelesen habe, aber wieder sehr angetan. Offenbar gibt es einige,die auf den Nobelpreis der Literatur warten - und dessen würdig sind. Alice Munro zählt auf jeden Fall dazu. Sie erzählt in »Tricks« von Frauen, Liebe, Lüge und Verrat –wie es in der ebenso begeisterten Rezension in der ZEIT heißt. Kurzgeschichten sind ja ohnehin mein großes Faible, und die aus dem amerikanischen Raum sind da schon was besonderes. " Ihre Sprache ist kühl, gut gezügelt und leicht lesbar, sie will scheinbar nichts anderes als einfache Geschichten über normale Menschen erzählen. Ihre Kunst entfaltet sich erst über die oft merkwürdige Dramaturgie, die sehr schrägen Ausschnitte, die sie wählt, und die unverhofften Wendungen, die ihre Geschichten fast immer nehmen, " schreibt die ZEIT. Man hat immer das Gefühl bei Munro, gleich passiert das ganz Großé, und es ist doch imer Tragik und Einsamkeit und Fehler, die die wichtigen Rollen spielen. Das kann gute Literartur, dass man erkennt, wie wichtig kleine Dinge sind, und wie schnell man fehler macht. Wenn sich etwa die Tochetr von Juliet ohne Abschied für den Rest ihres Lebens davonstiehlt, anfangs kommen noch Karten,dann nicht mehr, hat das eine Wucht, ...
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19.Jahrhundert Buch Rezension

Nanas Aufstieg und Verfall

9. Januar 2011 Gepostet von Unknown 0 Kommentare
Mir fehlt leider noch Band 19, dann ist die wunderbare Gesamtausgabe von Zolas Roman-Zyklus Les Rougon Macquart aus dem Kurt Wolff Verlag komplett. Aber das sind ja einige Bände zum lesen. Der
neunte Band handelt vom Aufstieg einer aus sozial schwachen Verhältnissen kommenden Straßendirne bis in höchste gesellschaftliche Kreise.

Zum ersten Mal erwähnt wird Nana im Roman L’Assomoir - Der Totschläger, in dem es um ihre Eltern und vor allem ihre alkoholkranke Mutter Gervaise Macquart geht.
Die von ihrem Liebhaber Auguste Lantier verlassene Wäscherin Gervaise Macquart schlägt sich durchs Leben. Er nimmt ihr ganzes Geld mit und hinterlässt als einziges Andenken die beiden gemeinsamen Söhne Claude und Etienne.Sie heiratet den anständigen Arbeiter Coupeau und verlebt einige glückliche Jahre. Sie bekommen eine Tochter, die „Nana“ genannt wird. Als Coupeau durch einen von der kleinen Nana miterlebten und teils mitverschuldeten Unfall arbeitsunfähig wird, verfällt er dem Alkohol und stürzt die Familie ins Unglück und den finanziellen Ruin. In dieser Situation taucht erneut Lantier auf und eröffnet eine ménage à trois. Gervaises kleinbürgerliche Moral verfällt zusehends. Nach Coupeaus alkoholbedingtem Tod wird sie zur Prostituierten. Nach einiger Zeit verhungert sie eines kalten Winters in einem Loch im Treppenhaus einer Mietskaserne.
Im Roman Nana erlebt sie den großen Durchbruch durch ihre nackt interpretierte Rolle im Theaterstück La Blonde Vénus im Théâtre des Variétés. Männer aus allen Schichten werfen sich ihr ab diesem Zeitpunkt zu Füßen. Durch geschickte Manipulation ihrer Verehrer steigt sie die gesellschaftliche Leiter hinauf. Im Verlaufe des Romans verdreht Nana den Männern reihenweise den Kopf, ruiniert sie finanziell und moralisch und korrumpiert so die Gesellschaft des Second Empire. Sie geht dabei ohne Skrupel vor, prostituiert sich und führt durch ihre wechselnden Liebhaber ein aufwendig-luxuriöses Leben.

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Buch Lesen Rezension

Gelesen: Georg Klein - Roman unserer Kindheit

15. September 2010 Gepostet von Unknown 0 Kommentare

Völlig zu Recht hat dieses Buch den Preis der Leipziger Buchmesse 2009 erhalten. Nicht nur, wer den phantastischen Stil der letzten Bücher des norddeutschen Autoren mochte, wird auch hier auf seine Kosten kommen.

Im Roman unserer Kindheit wird eine Kindheitswelt der 1960er-Jahre lebendig. Der erste Teil des Buches beschreibt sehr anschaulich, wie sich die - noch stark von der Nachkriegszeit geprägte -  Welt veränderte. Die ersten Fernseher tauchen auf, die Männer arbeiten in großen Industriefabriken und immer mehr Automobile – Vorzeichen der Massenmotorisierung – tauchen auf. Hier hat sich die DDR von der BRD wohl gar nicht so stark unterschieden. Man erinnert sich bei der Lektüre immer wieder an die eigene Kindheit - an Gerüche oder die scheinbar ewigen Sommer der Ferien. Und an die Freiheiten, die sich ergaben, wenn man die nähere Umgebung immer weiter entdeckte und eroberte.
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Buch Rezension

Gelesen: Roger Martin Du Gard - Die Thibault

13. August 2010 Gepostet von Unknown 0 Kommentare
Ist schon wieder ein gutes halbes Jahr her, dass ich Roger Martin Du Gards Die Thibaults gelesen haben. Ich hatte bei FF schon drauf verwiesen. Die Geschichte der Familie Thibault ist ein epochaler Abgesang auf das bürgerliche Zeitalter. Erzählt wird vom Schicksal zweier ungleicher Brüder im Frankreich am Vorabend des Ersten Weltkriegs. Beide versuchen auf unterschiedliche Weise, der Enge des konservativ-katholischen Elternhauses und der Macht des Vaters zu entkommen, beide scheitern sie auf ihrem Weg "durch die Welt zur Hölle". Am besten sind die hochmodernen Schreibstile Du Gards. Ja, Schreibstile, denn nachdem ich mit einiger Mühe die sechsbändige Erstausgabe aus dem Paul Zsolnay Verlag, damals noch Berlin-Wien-Leipzig, aus dem Jahre 1928 erstanden habe, fiel auf, das die sechs Bände alle irgendwie "anders" geschrieben sind. Die beste Kritik liefert wohl Diedrich Diederichsen in der jungle world. Da brauche ich mich gar nicht weiter zu versuchen.Leider fehlt aber in dieser Ausgabe die Tagebuchschilderung von Antoine, da der Zsolnay Verlag nur damals nur die ersten sechs Bände herausbrachte.
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Buch Literatur Rezension

Gelesen Ernst Jünger Gläserne Bienen

4. Mai 2010 Gepostet von Unknown 0 Kommentare
Der utopische Roman, oder vielmehr mit ca. 150 Seiten, die Erzählung Gläserne Bienen von Ernst Jünger ist neben den „Marmorklippen" (1939), „Heliopolis" (1949) und dem „Besuch auf Godenholm" (1952) eines der wenigen erzählerischen Werke Jüngers. Wie auch in anderen Büchern, etwa Aladins Problem hat der Held Probleme. Probleme, aus seiner alten Welt, er war wohl Rittmeister, in die neue Welt des modernen Kapitalismus zu finden. Dazu kommen dann finanzielle Probleme. Er erlebt den Zusammenbruch "seiner" alten Welt - da das Buch 1952 erschien, ist fraglich, welche alte Welt der konservative Jünger meint - und dem Übergang in die neue. Ich nehme an, dass Jünger tatsächlich das alte Kaiserreich meint, denn die neuen faschistischen Machthaber sind dagegen "modern". "Der Held der Geschichte, ein ehemaliger Rittmeister, der in der Armee des Kaiserreiches erzogen wurde erlebt den Zusammenbruch dieser Welt; er gerät in die Epoche des permanenten Bürgerkrieges und schließlich in die Arbeitswelt der totalen Automation. Zum Brotberuf gezwungen, wird er von einem mächtigen Wirtschaftsführer, dem Roboterherstellere Zapparoni, getestet, besteht aber die Prüfung nicht, da er einen bienenhaften Mikro-Roberter, der ihn umkreist, abwehrend zertrümmert. Jüngers "Oberförster" aus "Auf den Marmorklippen"  kehrt eigentlich in den allermeisten Werken in irgendeiner Form zurück - jeweils mit anderen Akzenten, aber es ist immer das gleiche Muster. Beschrieben wird immer das Leben im Umkreis von Machthabern, oder eine Reise zu ihnen, es ist immer eine Prüfungsgeschichte, auch wenn nicht so explizit Prüfungsfragen gestellt werden wie in der ersten "Oberförster"-Geschichte. Das Einstellungsgespräch in "Gläserne Bienen" ist so eine Prüfung. (vgl. Hartmut Dietz). Die Auseinandersetzung des Individuums mit jener neuen, inhumanen Ordnung stößt über die kühle Diagnose hinaus zu einem visionär deutenden Entwurf der Welt von morgen," heißt es in einer Rezension auf Abebooks.de
Allein für die ausgezeichnete Sprachbeherrschung - lesenswert.

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Buch Lesen Rezension

Gelesen Arthur Schnitzlers 'Frau Berta Garlan'

7. Dezember 2009 Gepostet von Unknown 0 Kommentare
Berta Garlan lebt in einer Kleinstadt, verwitwet, mit ihrem kleinen Sohn. Mit wohl Anfang 30 ist die Erinnerung an die Jugend in Wien verblasst, sie hat sich an das bequeme Leben bei der Familie des verstorbenen Mannes gewöhnt. Um leben zu können, „verschaffte [man] ihr [nach dem Tod des Ehemannes] in einigen [...] Häusern der Stadt Lektionen. [...] Was sie auf diese Weise verdiente, genügte vollkommen, um ihre Einnahmen in einer für ihre Lebensweise ausreichenden Art zu ergänzen.“ Ihre einstige Hoffnung, „als eine große Klaviervirtuosin, vielleicht als Gattin eines Künstlers, in der Welt umherzuziehen,“ wurde zunichte gemacht, als „ihr Vater eines Tages in einer Aufwallung seiner bürgerlichen Anschauungen ihr den weiteren Besuch des Konservatoriums nicht mehr gestattete“. Diese ihr vom Vater abgenommene Entscheidung lenkt Bertas Schicksal bereits in bestimmte Bahnen, denn „sowohl ihre Aussichten auf eine Künstlerlaufbahn, als ihre Beziehungen zu dem jungen Violinspieler, der seither so berühmt geworden war, [nahmen] ein Ende“ .

Nach dem ihres Mannes machen ihr viele Männer den Hof, doch kommt für sie eine neue Verbindung nicht in den Sinn. Eines Tages liest sie in der Zeitung von ihrer Jugendliebe aus Wien. Sie verabredet sich mit ihrem Jugendfreund Emil Lindbach und beginnt sich heimlich mit ihm zu treffen. Sie ist in Leidenschaft für ihn entflammt bis sie merkt, daß er sich zwar mit ihr vergnügen will, jedoch keine "ernsten" Absichten hat. Zu dieser Zeit (im Österreich-Ungarn des frühen 20. Jahrhunderts) ist es moralisch verwerflich, seine Sexualität außerhalb der Ehe auszuleben. Mindestens für Frauen, Männern ist es (unter der Hand) erlaubt, amouröse Abenteuer zu erleben. Nehmen sich die Frauen das gleiche Recht heraus, so ist das unsittlich. Frauen, die sich über diese Konventionen hinwegsetzen laufen Gefahr z.B. bei einer außerehelichen Schwangerschaft von der Gesellschaft ausgeschlossen zu werden. Besonders tragisch wird das deutlich beim Tod ihrer wohl einzigen Freundin, die nach ähnlichen Erlebnissen, einen selbst durchgeführten Schwangerschaftsabbruch nicht überlebt.
Am Totenbett stehend spürt auch Berta Garlan dieses "wohlbekannten Schwindel". Großartiger Literatur, passt hervorragend zum letztgelesenen Buch von Arnold Zweig. Die Zeit der 1900er Jahre haben beide ganz plastisch dargestellt.

Angeblich hat Schnitzler in dieser Erzählung seine Beziehung zur Jugendliebe Franziska Reich verarbeitet. Jahre später hat er sie als junge Witwe noch einmal wiedergesehen und sich nach einer Affäre kühl verabschiedet. Jetzt lässt er ihr in Gestalt Berta Garlans poetisch Gerechtigkeit widerfahren: Resigniert erkennt die Protagonistin das "ungeheure Unrecht", als Frau nicht den eigenen Bedürfnissen nachgehen zu können, eine Freiheit, die der Mann selbstverständlich für sich beansprucht.
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Arnold Zweig Buch Lesen München Rezension

Gelesen: Arnold Zweig Verklungene Tage

3. Dezember 2009 Gepostet von Unknown 0 Kommentare
Der deutsch-jüdische Schriftsteller Arnold Zweig (1887-1968) ist heute fast vergessen. Wenn überhaupt noch, dann ist er in erster Linie als Autor antimilitaristischer und gesellschaftskritischer Romane bekannt. In Westdeutschland stand man dem engagierten Kommunisten, der nach der Rückkehr aus dem Exil bis zu seinem Tod aus Überzeugung im Ostteil Deutschlands lebte, ohnehin reserviert gegenüber.
Gern vergessen wird, dass er seine Laufbahn als typischer Vertreter der ästhetizistischen Literatur der vorletzten Jahrhundertwende begann. Im Mittelpunkt steht dabei sein 1938 erschienener, in den Grundzügen aber bereits 1909 entstandener Roman „Verklungene Tage“, der dieser Schaffensperiode zuzuordnen ist. Dieser Liebesroman schildert mit ironischer Distanz Lieben und Leiden junger Intellektueller im München der letzten Jahre vor Ausbruch des 1. Weltkriegs und ist zugleich ein wehmütiger Nachruf auf eine versunkene Epoche.Das Buch erschien dann in den fünfzigern wohl zuerst bei Aufbau Berlin. Ich hatte die Fassung in der bei Aufbau verlegten Deutschen Volksbibliothek gelesen. Es gibt wohl noch eine von 1961 mit  Illustrationen von Werner Klemke.

Auch heute noch eine lesenswqerte Geschichte, die auch den Rahmen schlägt von den Liebesverwicklungen der 00 Jahre des letzten Jahrtausends zu den bevorstehenden europäischen Katastrophen, beginnend mit dem 1. Weltkrieg. Für Arnold Zweig ist der Roman eine Form, „die wie der Spaten des Archäologen geeignet ist, in die Tiefen gesellschaftlicher Vorgänge zu dringen“, und er weiß diese Form meisterhaft zu handhaben.  Diese frühe Roman ist dem Ästhetizismus der Jahrhundertwende verschrieben, allerdings angereichert mit hellsichtigen Charakterstudien, die sich Einsichten aus Freunds Psycholanalyse verdanken.

Der 1887 in Niederschlesien geborene Arnold Zweig wächst in einer aufgeklärten jüdischen Familie auf und studiert Philosophie, Germanistik, Geschichte und Kunstgeschichte in Breslau, München, Berlin, Göttingen, Rostock und Tübingen. Nebenbei schreibt er seine ersten Erzählungen und seinen ersten Roman: "Die Novellen um Claudia" (1912).

Im Ersten Weltkrieg, an dem Zweig vier Jahre teilnimmt – zuerst als Soldat, dann als Pressesprecher -  wird er zum überzeugten Pazifisten. Nach dem Krieg zieht mit seiner Frau Beatrice an den Starnberger See und freundet sich unter anderem mit den in München lebenden Feuchtwangers an. In Theaterstücken, Essays und Erzählungen setzt er sich mit seinen Kriegserlebnissen auseinander.
1923, nach dem Hitlerputsch, verlässt er Bayern in Richtung Berlin. Dort schreibt er seinen wohl berühmtesten Roman: "Der Streit um den Sergeanten Grischa" (1927) und arbeitet als Redakteur der Jüdischen Rundschau. Er lernt Martin Buber kennen und durch den engagierten Gelehrten auch den Zionismus schätzen.
Arnold Zweig
Bildunterschrift: Arnold Zweig
1933 flieht Zweig vor den Nazis über Prag, Wien und die Schweiz nach Sanary-sur-Mer, wo sich die Manns, die Feuchtwangers und die großen Exilschriftsteller sonst versammeln. Von dort aus macht sich der kritische Zionist auf nach Palästina. 15 Jahre bleibt er in Haifa, eine Zeit, die für ihn mehr bedeutet als bloßes Exil. Trotzdem kehrt er 1948 über Prag nach (Ost-)Berlin zurück. Er tritt ein in den "Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands" und engagiert sich im SED-Kulturrat. Ein Grund dafür, dass Zweig in Westdeutschland als real-sozialistischer Schriftsteller verschrien und kaum noch gelesen wird.
In der DDR wird er mit zahlreichen Preisen und Verdienstorden geehrt und zum Präsident der Sowjetzonenakademie ernannt. Am 26. November 1968 stirbt Arnold Zweit im Alter von 81 Jahren in Ostberlin. BR 2


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Gelesen: Terezia Mora Der Einzige Mann auf dem Kontinent

3. November 2009 Gepostet von Unknown 0 Kommentare
Auch in ihrem neuen Roman verwendet die seit 15 Jahren in Berlin lebennde Erzählerin Terezia Mora wieder die Technik des sogenannten auktorialen Erzählers. Der Held Darius Knoop ist damit präsent, nicht nur in dem was er sagt, sondern auch mit seinen Gedanken, die Perspektive wechselt ständig, manchmal sogar inmitten eines Satzes.

Diese Erzählart ist - mindestens zu Beginn - erfrischend und ungewöhnlich. Sie erreicht, dass die Situation des "Helden" gut rüber kommt, seine Orientierungslosigkeit, und die ganze Handlung lebendig wird. Aber eben die ist ein wenig einönig. Ein durchschnittlich langweiliges Leben gibt offenbar nicht viel her für einen Roman.

Knoop isst gern, "wiehert" mit sogenannten Freunden und trink gern mal einen über den Durst. Seine schöne Frau ist ihm intellektuell überlegen. Er nimmt das, wie so vieles Andere im Leben, als gegeben hin, er ist bisher immer auf die Füße gefallen. Mit dem Ende der DDR hat er immer wieder die richtigen Leute getrofen, ist von einem Job zum anderen faktisch immer nur aufgestiegen. Ihm ging es finanziell und auch privat gut. Doch mit einem Mal scheint die ganze Schlechtheit der Welt vorbei zu kommen. Er muss um seine Frau kämpfen und der letzte gutbezahlte Job, bei dem er offenbar vorrangig mit Spammails löschen und af Nachrichtenseiten surfen beschäftigt war, ist weg. Das bekommt er aber erst sehr spät raus. Gerüchte, zunächst unbestätigt, werden aufgenommen und für Nachfragen ist weder der arrogante Chef in London, der Knoop und die Deutschen an sich hasst, nicht zu erreichen. Erst der oberste Chef in den USA klärt ihn auf. Aber da ist es schon zu spät.

Das Buch wurde schon anderswo mit dem Mann ohne nEigenschaften verglichen. Kann ich nicht nachvollziehen, obwohl meine Lektüre von Musil schon recht lange her ist. Aber zumindestens habe ich Mora nicht abgebrochen, im Gegensatz zu Musil damals. Das spricht ja vielleicht für sie. Bedingt empfehlenswert.
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Gelesen: Juli Zeh Angriff auf die Freiheit:

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Mitte August erschien im Hanser Verlag das neue Buch der Ex-Leipzigerin Juli Zeh, gemeinsam mit Ilja Trojanow, dem Preisträger des Deutschen Buchpreises 2006.

Juli Zeh hat sich in den letzten Jahren bereits einen Namen als streitbare Intellektuelle gemacht, die auch zu Zeitfragen häufig das Wort ergreift. Im Januar 2008 reichte sie beim Bundesverfassungsgericht eine Verfassungsbeschwerde gegen den biometrischen Reisepass ein, da nach ihrem Dafürhalten die obligatorische Erfassung von Fingerabdrücken in Reisepässen keine wirksame Maßnahme der Sicherheitspolitik, sondern als „sinnlose[r] Grundrechtseingriff“[ ein „grundsätzliches Problem in einer freiheitlichen Gesellschaft“ darstelle, das Verfahren läuft noch.

Auch das aktuelle Buch stellt sich Fragen der Zeit. Es ist ein 140 Seiten (plus 20 Seiten Anmerkungen) kurzer und dennoch umfassend begründeter Aufruf, aktiv für einen Erhalt der Privatsphäre, für eine demokratische Gesellschaft und damit für essentielle Freiheitsrechte zu kämpfen und kritisieren, dass der Staat unter dem Deckmantel der Terrorabwehr immer weiter in die Privatsphäre seiner Bürger vordringe.

Nicht erst mit den Datenschutzskandalen der letzten Monate und den Bestrebungen der nunmehr vergangenen schwarz-roten Bundesregierung zeigt sich, alle sind scharf auf private Daten. Der Staat, der offenbar Angst vor seinen Bürgern hat, möchte gern alle biologischen Merkmale wie Fingerabdrücke oder biometrisches Foto, am besten in einer großen Datenbank irgendwo gespeichert, von allen Bürgerinnen und Bürgern. Polizei und Schlapphüte erhalten dafür Befugnisse, die bei Licht betrachtet weit über das hinausgehen, was im Rahmen der Verbrechensbekämpfung und –vorbeugung sinnvoll ist. Aber auch die Wirtschaft sucht nach Informationen über Vorlieben und Kaufgewohnheiten der Kunden.

Das schreckliche Bild des vollkommen transparenten Menschen wird immer deutlicher. Neben der Tatsache, das viele Menschen gern ihre Daten preisgeben, man denke nur an die penetrante Ausführlichkeit der Profile bei den großen sozialen Netzwerken, wo Menschen freiwillig intimste Informationen preisgeben, werden Daten gesammelt, überall und immer. Am Anfang des Buches beschreiben die Autoren ein Szenario, das leider ganz aktuell erscheint. Auch wenn vielleicht nicht jeder weiß, dass seine Telekommunikationsdaten auf Vorrat gespeichert werden, dass Supermarkt-Rabattkarten nicht für die eigene Sparbüchse, sondern für die Erstellung von Konsumentenprofilen da sind oder dass bei USA-Reisen faktisch die gesamte Intimsphäre für immer an die Homeland Security verkauft wird. Oder zum Beispiel die Polizei: Immer häufiger beinhaltet deren Ermittlungsarbeit die Erhebung und Verwertung von Verbindungs- oder Telekommunikationsüberwachungs-Daten, Funkzellenauswertungen oder Daten über finanzielle Transaktionen.

Argumenten, die von sinnlos und nicht beherrschbar großen Informationsmengen sprechen kann entgegengehalten werden, dass Dank moderner Informationstechnologie immer größere Datenmengen heute in immer kürzerer Zeit durchdrungen werden können. So können komplexe Bewegungsprofile und Kontaktprofile erstellt werden.
Vielleicht ist auch nicht jedem klar, dass die Steueridentifikationsnummer, die erst vor wenigen Monaten im Briefkasten lag, mit sich bringt, dass der Staat bald eine zentrale Datenbank haben wird, in der die komplette finanziell-ökonomische Identität aller Bürger gespeichert wird. Gewisse Daten verkauft der Staat auch an die Wirtschaft. Aber welche?

Die Einser-Juristin Zeh verweist darauf, dass alte Rechtsgrundsätze ausgehebelt werden. Etwa damit, dass heute schon an rechtlichen Grundlagen gearbeitet wird, die Menschen in zwei Klassen, nämlich Bürger und Terroristen unterteilen. Letztere können beispielsweise gefoltert werden können oder wie in Guantanamo ohne rechtsstaatliches Gerichtsverfahren schlicht auf Verdacht festgehalten werden. Derlei steht entgegen der althergebrachten Rechtsgrundlage, dass jeder Verdächtige bis zu seiner Verurteilung, als unschuldig zu gelten hat. Die permanente Medienstimulation schafft es aber, dass immer noch viele die Meinung vertreten, als unbescholtener Büregr kann ich mich doch überwachen lassen. Denn nur wer was zu verstecken hat...
Die Autoren zählen erschreckende Beispiele auf, wie in Großbritannien oder den USA Einschränkungen des Datenschutzes und der Bürgerechte im Rahmen des ominösen Kriegs gegen den Terror mittlerweile dazu genutzt werden gegen friedliche Öko-Aktivisten und sogar lärmend spielende Kinder vorzugehen. Auch in Deutschland hat Frau Merkel bereits darauf hingewiesen, dass sie Alltagssünden wie das Parken in zweiter Reihe für eine Frage der „inneren Sicherheit“ hält. (So bei einer öffentlichen Rede, die es bei Youtube zu bewundern gibt. Die Rede war Teil der Wahlkampf-Abschlussveranstaltung der Berlin CDU zur Abgeordnetenhauswahl 2006. Zitat zur Videoüberwachung: “Das sind aber Dinge, darüber darf man nicht diskutieren, die muss man einfach machen.”)
Kritisch anmerken kann ich eigentlich nur den Anmerkungsapparat. Auch wenn es sich ohne Fußnoten natürlich besser liest, ist das Aufsuchen der textsstellen mit den Verweisen hinten recht anstrengend, man muss faktisch permanent nach hinten bblätter und suchen, ob die entsprechenden Textstelle gerade erläutert wird.

Ein lesenswertes Interview mit den Autoren findet sich auf www.Spreeblick.com


Ilja Trojanow / Juli Zeh
Angriff auf die Freiheit: Sicherheitswahn, Überwachungsstaat und der Abbau bürgerlicher Rechte
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Buch Lesen Literatur Rezension

Gelesen: Die Spezialität des Hauses

28. Januar 2009 Gepostet von Unknown 0 Kommentare
Stanley (Bernard) Ellin (1916 - 1986) war trotz seines verglichen mit anderen Kolleginnen und Kollegen des Genres eher schmalen OEuvres einer der erfolgreichsten Krini-Autoren. Er erhielt dreimal den renommierten und begehrten "Edgar Allan Poe Award", 1954 und 1956 für die beste Kriminalkurzgeschichte und 1959 für den besten Kriminalroman des Jahres. Seinen internationalen Ruf beweist die Verleihung von "Le Grand Prix de Literature Policiere" im Jahre 1975.

Sehr lesenswert das schmale Spektrum-Bändchen Stanley, Ellin: Die Spezialität des Hauses. Kurzgeschichten Volk und Welt Bd. 150. Ein Klassiker ist natürlich die Spezialität des Hauses. MAn wird etas ratlos mit dunklen Bildern zurückgelassen, da Ellin entweder ebenso wie Raymond Carver einen ausgezeichneten Lektor besaß, oder aber eben an der richtigen Stelle aufhören konnte - bei Kurzgeschichten ungemenin wichtig. Muss Laffler nunin Sbirros Küchje dran glauben? Was anderes würde mir nicht einfallen. Am besten gefiel mir aber die Spielergeschichte.

Schön auch die Segensreich-Methode. "Ich bin hier, um Ihnen bei der Lösung Ihres Problems zu helfen", verspricht Mr. Treadwells ungebetener Besucher. Er stellt sich als Vertreter der "Gesellschaft für Gerontologie" vor und weiß verblüffend genau, was Treadwell plagt: der Vater seiner Frau Carol, der seit einiger Zeit bei ihnen im Hause lebt. Und das würde er noch lange, denn der alte, etwas wunderliche Herr erfreut sich allerbester Gesundheit...
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Buch Lesen Otto Flake Rezension

Lektüre September 2008

13. Oktober 2008 Gepostet von Unknown 0 Kommentare
gekauft

Kathrin Passig / Jens Friebe

Das nächste große Ding
(erweiterte Neuauflage), Rowohlt, Juli 2007





Karl Schröder
Klasse im Kampf

René Schickele
Die Schlacht bei den Pyramiden, Friedenauer Presse, 1969

gelesen

Kathrin Passig / Jens Friebe
Das nächste große Ding

Josef Hegenbart
Märchen und Fabeln

Karl Schröder
Klasse im Kampf

René Schickele
Die Schlacht bei den Pyramiden, Friedenauer Presse, 1969

LEA, Henry Ch.:
DieInquisition. Deutsch von Heinz Wieck und Max Rachel. Revidiert und
herausgegeben von Joseph Hansen. ( Die Andere Bibliothek).
Nördlingen: Greno 1985.
[Schlagwörter: Geschichte; Geschichte Mittelalter; Inquisition; Theologie Theologe]

Otto Flake
Hortense oder Die Rückkher nach Baden-Baden
Bertelsmann 1959

"Hortense"ist ein pralles Gesellschafts- und Sittengemälde des europäischen und badischen Bürgertums im 19. Jahrhundert, das seinesgleichen sucht.Selbst auf die USA der Vorbürgerkriegszeit greift das Buch über.
DieLebensspanne der Titelheldin erstreckt sich von Beginn des Eisenbahnzeitalters über das Aufblühen der Börse über die 48er Revolution und die anschließende Emigrations- und Restaurationszeitüber deutsch-österreichische Auseinandersetzungen und dendeutsch-französischen Krieg bis ins beginnende 20. Jahrhundert. Werdieses Buch gelesen hat, wird die deutsche Geschichte des 19.Jahrhunderts mit anderen Augen sehen.
Flake gelingt unvergleichlichin chronologischer Form (was ihm der Kritiker der NZZ übel nahm) die
Verknüpfung von Einzelschicksalen und Zeitgeschichte, alle Personen sind so beschrieben, als hätten sie tatsächlich gelebt - es ist unmöglich, in diesem Roman Fiktion und Realität zu unterscheiden.
Das Buch - und das ist vielleicht das einzig tadelnswerte - quillt über vor Details. Jeder Satz ist oft überladen mit Information, die Beschreibungen arten bisweilen fast ins stakkatohafte aus, als hätte der Autor wirklich alle ihm verfügbaren Informationen unbedingt unterbringen müssen.
In der ersten Hälfte des Bandes, in der Hortense ihr Leben auf ganz Europa und die USA ausdehnt, bleibt
bisweilen eine emotionale Distanz zu den Figuren, die dem Roman etwas Flüchtiges verleiht.
Spätestens aber mit der "Rückkehr nach Baden-Baden" lässt Flake einem die Protagonisten so ans Herz wachsen, wie es mir noch mit kaum einem deutschen Autor des 20. Jahrhunderts ergangen ist.
Es treten historische Figuren wie der große russische Schriftsteller Turgenjew auf, Dostojewski kommt als Spieler nach Baden-Baden und der Einfluss dieses literarischen Zirkels hebt den Band bisweilen gar ins Philosophische. Das Baden der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erscheint bei Flake als fast schon kosmopolitisches Land in seinem französischen und russischen Einfluss, Könige und Künstler wie Adlige aus ganz Europa promenieren auf der Lichtentaler Allee. Flake schafft es auch, die geistigen Strömungen der Zeit zu verdeutlichen, das konservative Beamtentum im Gegensatz zu progressiven Intellektuellen, das Ringen um die deutsche Einheit, die rasante Entwicklung der Technik.
Der Stoff hätte sicher für 3 Bücher oder mehr ausgereicht, so gefüllt ist dieser Band. Dennoch wachsen einem
auch bei der bisweilen knappen psychologischen Ausarbeitung der Figuren diese irgendwann so ans Herz, dass man das Buch am Ende nur betroffen über den Abschied aus der Hand legen kann.
"Hortense" kann als einer der bedeutendsten deutschen Romane aus dem ersten Drittel des 20.Jahrhunderts bestehen und Flake als einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller dieser Zeit, vergleichbar eher mit den großen französischen oder russischen Erzählern als mit der deutschen "Konkurrenz".
http://www.amazon.de/Hortense-oder-R%C3%BCckkehr-nach-Baden-Baden/dp/3596166357/ref=pd_rhf_p_t_1

http://snipurl.com/3rfyf
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Buch Juli Zeh Lesen Rezension Sprache

Gelesen: Juli Zeh Schilf

4. Juni 2008 Gepostet von Unknown 0 Kommentare
14 08 jonho 49Image via WikipediaDer nun mittlerweile gar nicht mehr so neue Rom,an von Juli Zeh - Schilf lässt mich mit, nunja, gespaltener Meinung zurück. Es ist mal wieder schön gewesen einen Krimi zu lesen. Aber er schien mir bisschen überambitioniert, obwohl ich nicht genau beschreiben kann, warum. Ist er doch gut geschrieben, es werden tatsächlich große Themen an der Grenze von Physik und Metaphysik diskutiert, die Suche nach Vereinheitlichung von Quantenmechanik und allgemeiner Relativitätstheorie.

Der geschilderte Kriminalfall dreht sich um den an einem Hirntumor leidenden Kommissar Schilf, der die Entführung des Sohnes eines renommierten Nachwuchsphysikers aufzuklären hat, nebenbei gibt es einen juristischen Grundkurs, was etwa Nötigungsnotstand ist. (Gott, lange her.) Der Täter war dann - für einen Krimi zu früh - ganz schnell klar. Zumindest für einen wenigsten Gelegenheitskrimileser schon weil es einfach zu wenige eingeführte Charaktere gab. Achja, oft fliegen Vögel auf.

Sehr zutreffend schreibt Katharina Bendixen (poetenladen.de)

"Wie sich Adler und Engel auf Max und Clara und Spieltrieb auf Ada und Alev verlassen, baut auch Schilf über weite Strecken auf die Exzentrik und die Intellektualität vor allem von Oskar, Rita Skura und Schilf. Die Überzogenheit der Figuren macht den Roman zwar interessant und spannend, verstärkt jedoch gleichzeitig die Konstruiertheit der Handlung und der Sprache. Lässt man die zahlreichen Personenbeschreibungen beiseite, ist die Geschichte in wenigen Stichpunkten zusammenzufassen: Es geht um Zeit und Paralleluniversen, um die Idee eines Zeitmaschinenmörders, einen Artikel im Spiegel und eine Sendung im ZDF, um einen geköpften Fahrradfahrer und einen Schmetterlingssammler. Mückenstiche überführen, und Freundschaften zerbrechen. Das alles ist spannender erzählt als in einem Tatort und plastischer beschrieben als in den meisten deutschsprachigen Gegenwartsromanen. Aber es krankt an der allgegenwärtigen Konstruiertheit von Plot, Sprache und Figuren, an einer schriftstellerischen Überangestrengtheit, die anstrengt."
Zemanta Pixie
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Buch Rezension

Gelesen: Leo Tolstoi Zwei Husaren

21. Mai 2007 Gepostet von Unknown 0 Kommentare
Am Anfang dachte ich Katharina Hackers Die Habenichtse habe sich an diesen Buch orientiert, geht es doch auch hier um Orientierungslosigkeit, Suche und dieses seltsame Unbeteiligtheit. Aber dafür ist Tolstoi wohl zu weit in Kasachstan verortet. Und dort wird gelebt - ganz im Gegensatz zu dem langweiligen London, dass Hacker in ihren Buch beschreibt. Der Graf, der vor Langeweile Moskaus und finanziellen Nöten nach Kasachstan flieht, wie ein Reicher lebt und aufgenommen wird, sich in die schöne Tochter verliebt, und am Ende trotzdem allein dasteht und flieht - denn Abreisen lässt sich die übertsürzte Reise kaum nennen. Einen Buchpreis würde ich Tolstoi aber wohl eher geben. Schöne alte Ausgabe.
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Buch Rezension

Gelesen: Advocat Detmold "Die Kunst in drei Stunden ein Kunstkenner zu werden"

2. Mai 2007 Gepostet von Unknown 0 Kommentare
Habe kürzlich auf dem Flohmarkt einen Schuber mit vier schönen Bänden früher politischer Satiren erstanden. Illustriert von Magazin-Haus-Illustrator Klemke erschienen die Bändchen von 1953-1955 in dritter Auflage und altdeutscher Schrift. Mitte der 50er wurden sie wohl unter die schönsten Bücher der Leipziger Buchmesse gewählt, was ich absolut verstehen kann. Schöne Illustrationen, eine gründliche und interessante Einführung von Rudolf Kaiser, zu den doch recht alten Texten, was will man mehr.

Als erstes habe ich den Advocaten Detmold mit der Anleitung in drei Stunden ein Kunstkenner zu werden gelesen. Detmold, lange Jahre ein revolutionärer Freund Heines, hat sich wohl dann als konservativer Reichsjustizminister in den 1860er Jahren mit Harry entzweit.
Seine Kunstkenner-Anleitung, und vielleicht noch mehr der Bericht, wie der Kunstverein Lachendingen das leidige Problem des durch zu häufiges Berührern beschmutzte Hinterteil der vereinseigenen Venus von Milo löst, ist einfach köstlich.

Heinrich Albert Oppermann beschreibt in Hundert Jahre - 1770–1870 - Zeit- und Lebensbilder aus drei Generationen den späteren konservativen Reichsminister Advocat Detmold wohl recht treffend:


Detmold, der künftige Reichsminister, war damals außer Hannover noch wenig bekannt, er war ein Advocat ohne Praxis, weil ihm diese zuwider war, und lebte als Junggeselle im Hause seines Vaters, des Hofmedicus, in der Duvenstraße. Detmold hatte bisher nur die »Anleitung, in drei Stunden ein Kunstkenner zu werden« geschrieben, eine Satire auf einen privilegirten Kunstkenner und Galeriebesitzer. Aber der gesunde und kräftige Witz, der in dem kleinen Buche wehte, hatte ihn zu der ersten literarischen Notabilität in Hannover gemacht, und das Publikum wollte denn in den »Hannoverischen Kunstblättern« von Osterwald nur Recensionen Detmold's über das noch neue Institut der jährlichen Kunstausstellung lesen.

Er hatte ein Jahr in Düsseldorf in der dortigen Kunstwelt gelebt, da er selbst mit Talent und Fertigkeit zeichnete, und war erst vor einiger Zeit aus Paris zurückgekommen, wo er mit Heinrich Heine die freundschaftlichen Beziehungen von Göttingen fortsetzte und für das »Morgenblatt« und den »Pariser Kunstsalon« schrieb.

Wie es gekommen, daß er, der bisher nur Abneigung gegen die Politik gezeigt hatte, der sich einem künstlerischen Dilettantismus hingab, der nur mit hannoverischen Künstlern, wie Marschner, Osterwald, Reichmann, Andree lebte und am liebsten die geistreiche Unterhaltung in der »Kutsche«, die sich damals in »Lemförde« umtaufte, beherrschte, sich auf einmal auf die Politik warf und wirklicher Centralpunkt aller Opposition gegen den Umsturz des Staatsgrundgesetzes wurde, ist vielen unbegreiflich gewesen. Die ihn näher kannten, wissen aber, daß er, der, wie Buchholz sagte: »seinem Talente nach alles Mögliche, nur nicht sentimental oder Betbruder war«, von einem Ehrgeize sondergleichen gestachelt wurde.

Die vertrauten Beziehungen zu dem Stadtdirector Rumann, der bisher in Hannover eine Art Nebenregierung neben dem Ministerium gehabt und einen großen Einfluß auf den Vicekönig Herzog von Cambridge ausgeübt hatte, nun aber von Ernst August brutal behandelt wurde, mochten auch wol mitgewirkt haben. Detmold fand in dieser politischen Thätigkeit, namentlich den Intriguen, dem alle Fäden in der Handhaben, Heilung von dem großen Weltennui, das seine Altersgenossen, wie er selbst, angesteckt von Byron, bisher empfunden hatten.

Detmold, obgleich er am Tage sein Parterrestübchen und seine beiden großen Kater selten verließ, wußte doch alles, was in Hannover passirte. Es war, obgleich er keine Geschäfte führte, bei ihm morgens von elf Uhr wie in einem Taubenschlage, jedermann von der Partei des Staatsgrundgesetzes brachte ihm Nachrichten, er erfuhr, was im Cabinet, was in Schelenburg, was in der Justizkanzlei und den Stadtgerichten in Beziehung auf öffentliche Zustände verhandelt war, er kannte in Hannover jedermann, den zu kennen überall der Mühe werth war, er hatte sich mit Stüve und den sämmtlichen bedeutenden und zuverlässigen Mitgliedern der Zweiten Kammer, von der man damals noch hoffte, daß sie bald wieder berufen würde, in Verbindung gesetzt, um eine geregelte Opposition anzubahnen.

Detmold kannte die Menschen, aber nicht nur oberflächlich, nach Titel und Würden und nach dem Anscheine, den sie sich selbst geben, er kannte genau ihr Wissen und Können, ihre Bestrebungen und Verbindungen, ihre Schwächen und Fehler. Diese ungemeine Kenntniß der Personen und Dinge, bei sarkastischem Witz, machte ihn denn auch zu einem gesuchten Gesellschafter, um den sich gern ein Zuhörerkreis versammelte.

Der angehende Politiker kannte auch Baumann schon als einen talentvollen und strebsamen jungen Mann und behandelte ihn mit Zuvorkommenheit. Er theilte ihm über die Verhältnisse des Landes solche Anschauungen mit, von denen er wünschte, daß sie in öffentlichen Blättern verbreitet würden; er charakterisirte die bei dem beginnenden Drama mitwirkenden hauptsächlichen Persönlichkeiten, machte ihn auf diese und jene Schrift, aus der er sich über frühere hannoverische Zustände belehren könnte, aufmerksam und verabredete endlich Korrespondenz mit ihm. Baumann sollte ihm jede Neuigkeit, Stimmung u. s. w. aus Göttingen melden, er wolle desgleichen aus Hannover thun und es an Fingerzeigen nicht fehlen lassen. Wir haben diese Bekanntschaft hervorheben zu müssen geglaubt, weil sie auf Baumann's Leben von nicht unbedeutendem Einfluß war.


Heinrich Albert Oppermann: Hundert Jahre - 1770–1870 - Zeit- und Lebensbilder aus drei Generationen hier
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Buch Geschichte Literatur Rezension

Geschichte erzählen

1. März 2007 Gepostet von Unknown 0 Kommentare
Da ich gerade Heinrich Winklers Der lange Weg nach Westen (1) lese, mal ein kurzer Vergleich mit dem 2006 gelesenene Buch von Gordon A. Craig Über die Deutschen. Sicher lassen sich beide Werke vom verfolgten Ansatz her nicht vergleichen, da wäre Crais Deutsche Geschichte wohl besser geeignet. Dennoch fällt auf: Auch wenn Winkler gut lesbar ist, einen klaren Stil hat und vor allem Unmengen Informationen, läßt sich Craig besser lesen. Im Nachruf der Zeit findet sich die Lösung
Für dieses Opus magnum wurde Craig 1981 als Erster mit dem bedeutenden Historikerpreis der Stadt Münster ausgezeichnet. In einer vielbeachteten Rede, die er damals hielt, erinnerte er daran, dass Geschichte keine »exakte Wissenschaft«, sondern eine »humanistische Disziplin« sei, die es nicht nur mit Strukturen, sondern vor allem mit Menschen zu tun habe. Als Diener der Muse Klio müssten die Historiker wieder lernen, »Geschichte und Literatur zu verbinden«. Wie diese Kombination glücken kann, das demonstrierte Craig in seinem gesamten, fast ausnahmslos bei C. H. Beck in München erschienenen Œuvre. Immer wusste er interessant zu erzählen, mit einer Prise Humor und einer Lust am Anekdotischen, die sich nie in schwadronierende Weitläufigkeit verlor. Und gern würzte er seine Texte mit Anspielungen und Zitaten, die überraschendes Licht auf die historischen Akteure und Konstellationen warfen.

Vor allem aber: Dieser Amerikaner schottischer Herkunft, der lange Jahre an der Stanford-Universität lehrte, hat es wie kein Zweiter verstanden, die Literatur als Quelle für die Geschichtsschreibung nutzbar zu machen. Inspirieren ließ er sich hier von Theodor Fontane, dem er eines seiner schönsten Bücher Über Fontane (1997) widmete. An Fontanes Romanen rühmte er die Kunst, die gesellschaftliche Wirklichkeit und die Klassenkonflikte seiner Zeit im Spiegel der handelnden Personen anschaulich zu machen. Dieser Kunst hat Craig nachgeeifert, indem er nicht nur literarische Zeugnisse heranzog und zum Sprechen brachte, sondern Geschichtsschreibung selbst als eine Form erzählter Literatur betrieb. Kein Wunder, dass seine Bücher sich hierzulande eines größeren Zuspruchs erfreuten als die meisten Werke seiner deutschen Fachkollegen.


Der Verweis auf Fontane ist sehr treffend. Man kann ja nicht immer nur Zahlen und Fakten im Winkler stuideren - zur Entspannung hält dann Fontanes Stechlin her. Und der ist auch goldrichtig, da er zwar sehr verklärend die Welt der märkischen Junker beschreibt, etwa um 1890 herum. Und Winkler erklärt eben die angedeuteten Konflikte, Bismarck, Bebel, Sozialistengesteze, Stoecker - der klerikal-konservative Hofprediger (heute wäre er wohl der Chef der Liga polnischer Familien) usw. Gute Mischung, finde ich.
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Buch Geschichte Gesellschaft Rezension

Gelesen: H A Winkler Der lange Weg nach Westen

23. Februar 2007 Gepostet von Unknown 0 Kommentare
Heinrich August Winklers "Der lange Weg nach Westen" in zwei Bänden - Band 1: Deutsche Geschichte vom Ende des Alten Reiches bis zum Untergang der Weimarer Republik und Band 2: Deutsche Geschichte vom "Dritten Reich" bis zur Wiedervereinigung ist tatsächlich lesenswert. "Winkler schreibt flüssig, anschaulich und spannend. Das macht - für einen deutschen Fachhistoriker keineswegs selbstverständlich - sein Buch für einen breiten Leserkreis attraktiv. Nicht nur die erste umfassende Historiographie der Deutschen seit der Vollendung ihrer 'Einheit in Freiheit' setzt sein eindrucksvolles Werk Maßstäbe. Sondern auch als der Appell eines streitbaren, ebenso besonnenen wie begeisterten Demokraten, diese mit viel Glück errungene Freiheit mit mut und Klugheit zu verteidigen," schreibt Richard Herzinger in der ZEIT. Und: "Der undogmatische Linksliberale Winkler hat eine hochreflektierte Darstellung geschrieben, die als Lesewerk den Stoff verfügbar macht und zugleich als Problemgeschichte die Debatten über Wege und Abwege der deutschen Geschichte auf ein neues Niveau bringt," so Ulrich Speck in der Frankfurter Rundschau.
H.A. Winkler folgt seinem Motto: Erzählen heißt erklären, warum es so gekommen ist.
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Buch Rezension

Gelesen Axel Hacke Aus meinem Leben

21. Februar 2007 Gepostet von Unknown 0 Kommentare
Axle Hacke arbeitete von 1981 bis 2001 bei der Süddeutschen Zeitung und war dort - laut Wikipedia unter anderem Autor der Kolumne Streiflicht. Einmal wöchentlich erscheint im SZ-Magazin der Süddeutschen Zeitung seine Kolumne „Das Beste aus meinem Leben“. Die Zusammenstellung ist ganz gut, obwohl man nicht alle hintereinander lesen kann. Alle sind auch nicht so lustig. Aber er ist ein genauer Beobachter, ich habe mich oftmals "wiedererkannt", da er über die angenehmen kleinen Problemchen des mittelschichtigen Durchschnitts schreibt. Denn das Anbringen einer Gardinenstange ist nicht wirklich existenziell, aber ich kenne das auch. "Was ist das nur für eine Scheiß-wand, fünf Dübel nebeneinander und keiner hält....aaaaarggh."
Wers mag, solls lesen.
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