gamat72

Notizen aus Leipzig

Demographie Leipzig

Das größte Hauptdorf

25. Mai 2007 Gepostet von Unknown 0 Kommentare
Weil ja heute wieder mal die aktuellen Zahlen in der LVZ standen, wonach die Geburtenzahlen steigen, vor allem in Erfurt und Dresden und Halle (?). Demographie ist schon ein großes thema.
Dabei ist die Drift in das mehrfach gepäppelte Dresden noch wesentlich stärker als in das konfliktgebeutelte Leipzig. 2006 übersprang die sächsische Landeshauptstadt die 500.000-Einwohner-Marke, verzeichnete zum Jahresende 504.600 Einwohner, 9.400 mehr als im Vorjahr. Leipzig steht mit 506.300 Einwohnern in der Statistik, hatte also 3.600 Einwohner mehr als im Jahr zuvor. Es dauert also keine Jahre mehr, bis Dresden in Sachsen die Nase vorn hat, sondern nur noch Monate. Was vielleicht ein kleiner Wermutstropfen für die Konkurrenz Leipzig ist. Aber die eigentliche Dramatik spielt sich im Land selbst ab.
stand schon mal in lizzy-online
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19.Jahrhundert Bibliothek Buch

Ersch: Geschichte der deutschen Literatur.

Gepostet von Unknown 0 Kommentare
Beim Versuch etwas zu Johann Samuel Erschs Handbuch der deutschen Literatur seit der Mitte des 18. Jahrhunderts bis auf die neueste Zeit - erschienen 1822 im Leipziger Brockhaus Verlag herauszufinden, bin ich af die interessante Doktorarbeit von Marianne Jacob gestoßen. Ab Seite 94 oder so geht es dort um Büchersammler und die Eigenart, dass selbige in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts und danach Bücher herausgaben, die ihre eigenen Bibliothekskatalog umfassen .

Erschs Buch ist ja auch so ein Katalog, der , wie Ersch im Vorwort schreibt, "viele veraltete Bücher herausstreicht". Was ist dann eigentlich der Zweck einer solchen Bibliographie?



Naja, zumindestens ist es ein sehr schönes, noch unbeschnittenes Buch von 1822. Und ich habe es günstig erstehen können. Mehr zu Thema Bibliophile findet sich wohl in Leopold Hirschbergs Erinnerungen eines Bibliophilen.
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Gesellschaft Globalisierung Leipzig Wissenschaft

Mario Candeias in Leipzig

23. Mai 2007 Gepostet von Unknown 0 Kommentare
Bisschen spät mitgekriegt, Mario Candeias, hier in einem Interview mit der SO!, hält heute in Leipzig einen Vortrag: AUF DER SUCHE NACH DEM “PREKARIAT”.

In welchen Zusammenhängen emergierte der Begriff? Welche Sinnaufladung hat er erhalten? Und wo taucht er in gesellschaftlichen Bereichen und im politischen Spektrum mit welcher Bedeutung auf? Zentraler Bestandteil ökonomischer Erneuerung seit den 1970er Jahren ist die Polarisierung und Prekarisierung von Arbeits- und Lebensverhältnissen. Die damit verbundenen Probleme werden aber als die, einer kleinen, vielleicht wachsenden Unterschicht diskutiert, die zugleich als passiv, apathisch und resigniert geschildert wird.

Die aufgeregte Debatte wirkt so zugleich als Entdramatisierung der sich zuspitzenden sozialen Frage. Tatsächlich erleben wir jedoch die Verbreitung einer allgemeinen gesellschaftlichen Kultur der Unsicherheit. Das >Prekariat< wird damit zur universellen gesellschaftlichen Figur der neuen Produktions- und Lebensweise. Zugleich entwickelt es als Klassenfraktion im Werden widerständige Praxen, vielfältig verwoben mit heterogenen Positionierung entlang geschlechtlicher, nationaler oder ethnischer Zuschreibungen.

Wo? In der Moritzbastei Leipzig

Mi 23.Mai 2007 18:00 Ratstonne
Eintritt frei
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Buch Rezension

Gelesen: Leo Tolstoi Zwei Husaren

21. Mai 2007 Gepostet von Unknown 0 Kommentare
Am Anfang dachte ich Katharina Hackers Die Habenichtse habe sich an diesen Buch orientiert, geht es doch auch hier um Orientierungslosigkeit, Suche und dieses seltsame Unbeteiligtheit. Aber dafür ist Tolstoi wohl zu weit in Kasachstan verortet. Und dort wird gelebt - ganz im Gegensatz zu dem langweiligen London, dass Hacker in ihren Buch beschreibt. Der Graf, der vor Langeweile Moskaus und finanziellen Nöten nach Kasachstan flieht, wie ein Reicher lebt und aufgenommen wird, sich in die schöne Tochter verliebt, und am Ende trotzdem allein dasteht und flieht - denn Abreisen lässt sich die übertsürzte Reise kaum nennen. Einen Buchpreis würde ich Tolstoi aber wohl eher geben. Schöne alte Ausgabe.
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Bibliothek Buch

Gelesen: Roth´Der Menschliche Makel

15. Mai 2007 Gepostet von Unknown 2 Kommentare
Die Lebenslüge als zentrales Thema. Die Lebenslüge, die sich am Ende eines jahrzehntelang mehr oder weniger scheinbar geradlinig gegangenen Weges selbst enttarnt. So beschreibt der Merkur das Buch Der menschliche Makel von Philip Roth.
Ich fand mit am beeindruckensten die Wucht und den Mut der Entscheidung des Helden Coleman, wenn er sich, um Erfolg zu haben, von seiner Mutter löst. Aber eben nicht ein lösen im Sinne von Ödipus. "Du wirst mich nie wieder sehen. Und d wirst auch deine Enkel nie sehen." Das ist eine beeindruckende Stelle des Buches. Und die Absurdidät wird besonders deutlich, wenn ein "Schwarzer" der Schule verwisen wird - wegen Rassismus gegenüber Schwarzen. Schön war der Dialog den er mit Delphine deswegen führt, denn er führt die gelegentliche Absurdität gerade in der political correctness deutlich vor Augen. Ich hatte es erst jetzt in der Vintage-Ausgabe gelesenen, und recht lang gebraucht. ist doch sehr anspruchsvolles Englisch.

Technorati Tags: Bücher, Philipp Roth, Makel
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Fotografie Leipzig

Virtuelles Leipzig

8. Mai 2007 Gepostet von Unknown 1 Kommentare


Ganz groß sind die 360 Grad Ansichten der Stadt. Leipzig ist wohl die erste ostdeutsche Stadt, die in diesem Projekt zu bewundern ist.

Virtualcity Leipzig - Sehenswürdigkeiten, Hotels und Tourist-Informationen Leipzig
. Man braucht schon eine schnelle DSL-Verbindung. Aber es lohnt sich echt.



Technorati Tags: Leipzig, Fotografie
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Bibliothek Buch

Franz Jung

3. Mai 2007 Gepostet von Unknown 0 Kommentare
Das Trottelbuch von Franz Jung (* 1888 in Neisse, Oberschlesien (heute Nysa, Polen), 1963 in Stuttgart), wurde Mitte der 90er von Faber&Faber in einer schönen Ausgabe wiederaufgelegt, für die man heute schon ganz schön Geld hinlegen muss. Ich hatte die Biographie gelesen und war sehr angetan. 1912 erschien mit dem Trottelbuch sein erstes Buch. Erste Prosatexte Jungs waren schon in den expressionistischen Zeitschriften "Der Sturm" und "Die Aktion" erschienen. Ichn weiss gar nicht, ob er im Osten gedruckt wurde, wahrscheinlich eher nicht - als anarchistsischer Kommunist passte er wohl nicht ganz.


1913 zog Jung nach Berlin, wo er in engem Kontakt zu Franz Pfemfert, dem Herausgeber der Aktion stand; mehrere frühe Bücher Jungs erschienen im Aktions-Verlag.Bis 1918 arbeitete Jung an einer Reihe von politisch-kulturellen Projekten im Untergrund und beschäftigte sich daneben wieder intensiv mit Ökonomie. Die einflussreichste Veröffentlichung dieser Zeit war die von ihm herausgegebene Zeitschrift Die Neue Jugend, der ersten dadaistischen Zeitschrift in Deutschland. Ab 1918 war Franz Jung Mitherausgeber des Club Dada. Jung trat der KPD bei und gründete mehrere Wirtschaftsnachrichtendienste. 1920 wurde er aus der KPD ausgeschlossen und gründete mit anderen die Kommunistische Arbeiterpartei Deutschlands. Um deren Aufnahme in die Kommunistische Internationale zu betreiben, wurde er zusammen mit Jan Appel nach Moskau entsandt. Für die Passage in die Sowjetunion kaperten die beiden den Fischdampfer Senator Schröder und fuhren nach Murmansk. Die Gespräche mit Lenin, Bucharin und Karl Radek blieben jedoch erfolglos. Zurück in Deutschland wurde Jung wegen "Schiffsraubs auf hoher See" verhaftet. Kurz danach, ebenfalls noch 1921, war er zusammen mit Bela Kun, Max Hoelz und Karl Plättner führend an den Märzkämpfen in Mitteldeutschland beteiligt, einer bewaffneten Arbeiterrevolte rund um Halle und Leuna. Von 1933 bis 1936 gab Jung gemeinsam mit Alexander Schwab den Pressedienst für den Wirtschaftsaufbau heraus und gehörte der Untergrundgruppe Rote Kämpfer an. Ende 1936 wurde er in diesem Zusammenhang verhaftet.
findet sich im Internet über Franz Jung.
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Buch Rezension

Gelesen: Advocat Detmold "Die Kunst in drei Stunden ein Kunstkenner zu werden"

2. Mai 2007 Gepostet von Unknown 0 Kommentare
Habe kürzlich auf dem Flohmarkt einen Schuber mit vier schönen Bänden früher politischer Satiren erstanden. Illustriert von Magazin-Haus-Illustrator Klemke erschienen die Bändchen von 1953-1955 in dritter Auflage und altdeutscher Schrift. Mitte der 50er wurden sie wohl unter die schönsten Bücher der Leipziger Buchmesse gewählt, was ich absolut verstehen kann. Schöne Illustrationen, eine gründliche und interessante Einführung von Rudolf Kaiser, zu den doch recht alten Texten, was will man mehr.

Als erstes habe ich den Advocaten Detmold mit der Anleitung in drei Stunden ein Kunstkenner zu werden gelesen. Detmold, lange Jahre ein revolutionärer Freund Heines, hat sich wohl dann als konservativer Reichsjustizminister in den 1860er Jahren mit Harry entzweit.
Seine Kunstkenner-Anleitung, und vielleicht noch mehr der Bericht, wie der Kunstverein Lachendingen das leidige Problem des durch zu häufiges Berührern beschmutzte Hinterteil der vereinseigenen Venus von Milo löst, ist einfach köstlich.

Heinrich Albert Oppermann beschreibt in Hundert Jahre - 1770–1870 - Zeit- und Lebensbilder aus drei Generationen den späteren konservativen Reichsminister Advocat Detmold wohl recht treffend:


Detmold, der künftige Reichsminister, war damals außer Hannover noch wenig bekannt, er war ein Advocat ohne Praxis, weil ihm diese zuwider war, und lebte als Junggeselle im Hause seines Vaters, des Hofmedicus, in der Duvenstraße. Detmold hatte bisher nur die »Anleitung, in drei Stunden ein Kunstkenner zu werden« geschrieben, eine Satire auf einen privilegirten Kunstkenner und Galeriebesitzer. Aber der gesunde und kräftige Witz, der in dem kleinen Buche wehte, hatte ihn zu der ersten literarischen Notabilität in Hannover gemacht, und das Publikum wollte denn in den »Hannoverischen Kunstblättern« von Osterwald nur Recensionen Detmold's über das noch neue Institut der jährlichen Kunstausstellung lesen.

Er hatte ein Jahr in Düsseldorf in der dortigen Kunstwelt gelebt, da er selbst mit Talent und Fertigkeit zeichnete, und war erst vor einiger Zeit aus Paris zurückgekommen, wo er mit Heinrich Heine die freundschaftlichen Beziehungen von Göttingen fortsetzte und für das »Morgenblatt« und den »Pariser Kunstsalon« schrieb.

Wie es gekommen, daß er, der bisher nur Abneigung gegen die Politik gezeigt hatte, der sich einem künstlerischen Dilettantismus hingab, der nur mit hannoverischen Künstlern, wie Marschner, Osterwald, Reichmann, Andree lebte und am liebsten die geistreiche Unterhaltung in der »Kutsche«, die sich damals in »Lemförde« umtaufte, beherrschte, sich auf einmal auf die Politik warf und wirklicher Centralpunkt aller Opposition gegen den Umsturz des Staatsgrundgesetzes wurde, ist vielen unbegreiflich gewesen. Die ihn näher kannten, wissen aber, daß er, der, wie Buchholz sagte: »seinem Talente nach alles Mögliche, nur nicht sentimental oder Betbruder war«, von einem Ehrgeize sondergleichen gestachelt wurde.

Die vertrauten Beziehungen zu dem Stadtdirector Rumann, der bisher in Hannover eine Art Nebenregierung neben dem Ministerium gehabt und einen großen Einfluß auf den Vicekönig Herzog von Cambridge ausgeübt hatte, nun aber von Ernst August brutal behandelt wurde, mochten auch wol mitgewirkt haben. Detmold fand in dieser politischen Thätigkeit, namentlich den Intriguen, dem alle Fäden in der Handhaben, Heilung von dem großen Weltennui, das seine Altersgenossen, wie er selbst, angesteckt von Byron, bisher empfunden hatten.

Detmold, obgleich er am Tage sein Parterrestübchen und seine beiden großen Kater selten verließ, wußte doch alles, was in Hannover passirte. Es war, obgleich er keine Geschäfte führte, bei ihm morgens von elf Uhr wie in einem Taubenschlage, jedermann von der Partei des Staatsgrundgesetzes brachte ihm Nachrichten, er erfuhr, was im Cabinet, was in Schelenburg, was in der Justizkanzlei und den Stadtgerichten in Beziehung auf öffentliche Zustände verhandelt war, er kannte in Hannover jedermann, den zu kennen überall der Mühe werth war, er hatte sich mit Stüve und den sämmtlichen bedeutenden und zuverlässigen Mitgliedern der Zweiten Kammer, von der man damals noch hoffte, daß sie bald wieder berufen würde, in Verbindung gesetzt, um eine geregelte Opposition anzubahnen.

Detmold kannte die Menschen, aber nicht nur oberflächlich, nach Titel und Würden und nach dem Anscheine, den sie sich selbst geben, er kannte genau ihr Wissen und Können, ihre Bestrebungen und Verbindungen, ihre Schwächen und Fehler. Diese ungemeine Kenntniß der Personen und Dinge, bei sarkastischem Witz, machte ihn denn auch zu einem gesuchten Gesellschafter, um den sich gern ein Zuhörerkreis versammelte.

Der angehende Politiker kannte auch Baumann schon als einen talentvollen und strebsamen jungen Mann und behandelte ihn mit Zuvorkommenheit. Er theilte ihm über die Verhältnisse des Landes solche Anschauungen mit, von denen er wünschte, daß sie in öffentlichen Blättern verbreitet würden; er charakterisirte die bei dem beginnenden Drama mitwirkenden hauptsächlichen Persönlichkeiten, machte ihn auf diese und jene Schrift, aus der er sich über frühere hannoverische Zustände belehren könnte, aufmerksam und verabredete endlich Korrespondenz mit ihm. Baumann sollte ihm jede Neuigkeit, Stimmung u. s. w. aus Göttingen melden, er wolle desgleichen aus Hannover thun und es an Fingerzeigen nicht fehlen lassen. Wir haben diese Bekanntschaft hervorheben zu müssen geglaubt, weil sie auf Baumann's Leben von nicht unbedeutendem Einfluß war.


Heinrich Albert Oppermann: Hundert Jahre - 1770–1870 - Zeit- und Lebensbilder aus drei Generationen hier
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