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Notizen aus Leipzig

Gelesen: Die Zukunft der Aufklärung

23. März 2005 Gepostet von Unknown 0 Kommentare
Das Buch erschien 1988, ein Jahr vor dem Mauerfall anläßlich einer Konferenz in Frankfurt/Main über die Zukunft der Aufklärung. Was die Autoren zusammenführte, war wohl die Sorge um die Aufklärung. Aufkärung? Was ist das eigentlich? Das "Herausgehen aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit" wie Kant sagt? Generell wohl die "Orientierung an universalen Wertsystemen der Menschenrechte, der sozialen Gerechtigkeit und der Freiheit“, wie Schaedelbach in einem Artikel nahelegt. Und damals schien diese Aufklärung durch andere Gesichtspunkte wie "nationale Identität, Freund-Feind-Polarisierung und eine modernitätsfeindliche Lebensstimmung“ geschwächt. "Im Rückblick waren solche Bedenken nicht unbegründet, denn in der Tat erreichte in den 80er Jahren die neokonservative Gegenströmung gegen eine vermeintliche linke Kulturrevolution seit 1968 ihren Höhepunkt", schreibt Schnädelbach. (Ist es heute wieder soweit?) Es war ja auch die Hochzeit der sogenannten Postmoderne, der ich auch anhing. Anything goes klingt eben auch recht verlockend, für alles. Gerade weil, "die große Erzählung der Aufklärungsgeschichte, an der die Marxisten am längsten festhielten, längst der Geschichte zum Opfer gefallen ist, und dies nicht erst durch das postmarxistische und postmoderne Wissen, das diese Story als mythisch erkennt, sondern schon durch den Historismus des 19. Jahrhunderts, den wir heute selber als eine Gestalt der Aufklärung verstehen." Aber heißt das wirklich, dass "die große historische Version der Aufklärung im Sinne eines die ganze Menschheit umfassenden und sich unvermeidlich auf ein Ziel hin fortzeugenden Prozesses keine Zukunft" hat. "Wie es sich hingegen mit der kleinen Variante verhält, die ja selbst eine solche Zukunft ausdrücklich bestreitet, darüber läßt sich nicht entscheiden, ohne darauf einzugehen, was man genauer mit Aufklärung meint", schreibt Schnädelbach. Aber was meint das also, die kleine Aufklärung? Das Leben ohne Religion, so die Antwort. Ist das überzeugend? Eben um die Aufklärung im "Klassischen" geht es in dem Buch, es gibt eben keine Postmoderne, sondern die Moderne ist noch nicht zuende. Es geht um das Verhältnis von Wissenschaft und Politik, also auch heute noch aktuelle Überlegungen. Die Linke schien verunsichert, "mit Verheißungen einer Zukunft, die das schlechte Heute verdrängen würde, "rechts" mit Verheißungen einer Zukunft, die vom schlechten Heute verdrängt werde", schreibt Wiethölter auf Seite 36. Was bedeutet das heute, was bedeutet das für Wähler im Jahre 2005, kurz vor dem (wahrscheinlichen) Ende von Rot-Grün und der konservativen Machtübernahme? Eine gute Zukunft? Wohl kaum. Damals ging es zumindestens noch um Feminismus und Ökologie, natürlich. Aber auch die meisten anderen Artikel sind recht gut. Lesenswert.
Achja, der Wahlspruch der Aufklärung? - Sapere aude ! [Wage zu wissen !] Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! Genau.

Jörn Rüsen, Eberhard Lämmert und Peter Glotz (Hrsg.), Die Zukunft der Aufklärung, Frankfurt: Suhrkamp (es 1479)
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Der Großmeister

21. März 2005 Gepostet von Unknown 0 Kommentare
Jackie Mittoo
Champion of the arena, in jungen Jahren Jackie Mittoo trägt den zu Recht den Titel des "Funkiest Keyboardplayer Of Jamaica". mehr hier und hier

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Gelesen: Goulds Buch der Fische

17. März 2005 Gepostet von Unknown 0 Kommentare
Ist ja nicht ganz neu, und lag bei mir einige Zeit auf dem Stapel. Ich bin eigentlich ganz angetan, aber nicht begeistert. Das scheint aber vielen so zu gehen, zumindestens hat das der Perlentaucher auch so ertaucht. So ist Martin Halter in der Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 16.07.2003 "zwar durchaus beeindruckt von diesem dritten Buch des Australiers Richard Flanagan, aber für ein Meisterwerk hält er es, im Gegensatz zu einigen seiner begeisterten Kollegen, dann doch nicht. Dafür berührt es ihn einfach nicht genug. Die Figuren sind ihm "in ihrer Bizarrerie zu flach", die Orte des Geschehens zu "kulissenhaft" und das "postmodernen Brimborium" sei "oft nur ermüdend." Immerhin nennt er den Roman "eine ehrgeizige Reflexion über Aufgaben und Grenzen postkolonialer Literatur". Und ein Genuss ist die Lektüre nach Halters Meinung trotz dieses akademischen Anspruchs: "'Goulds Buch der Fische' ist als Fälschung getarnte Wahrheit, aus Abschaum destillierte barocke Schönheit". Das ist doch schon einmal etwas!" Dem kann ich mich voll anschließen. Die Sporache ist schön, es werden schöne, komplexe Geschichten erzählt, aber irgendwie ist nichts neues. Das ist vielleicht auch schon ganz schön viel verlangt ist,. aber trotzdem. Dazu kommt, dass Flanagan als guter Leser viele Sachen remixed. Das sieht auch der Falter so: "Trotz dieser Weltabgewandtheit sind uns aber viele der literarischen Motive, die in Goulds Buch aufgegriffen werden, vertraut: Es werden Strophen aus dem Hohelied Salomons und dem Evangelium nach Johannes paraphrasiert, die Szene einer nicht intendierten Beschneidung durch ein herabfallendes Fenster kennt man aus "Tristram Shandy" - um nur einiges aufzulisten, was Flanagan aus der Literaturgeschichte "geklaut" hat. Goulds Buch der Fische "klingt" wie eine gesampelte Version des literarischen Kanons."
Auf jeden Fall ist die Geschichte nicht schlecht, ein Sträfling auf einer tasmanischen Insel erzählt sein Leben - wie er Fisch wurde. Eingepackt in ein wunderschönes Buch - verschiedenfarbige Tinte, glitzernder grüner Leinenband, etc. Auf der Insel, Sarah Island, regiert ein wahnsinniger Kommandant und früherer Häftling, der eine lächelnde goldene Maske trägt und aus diesem Territorium des Schreckens die musterhafte "Nation Nova Venezia" machen will - als selbst ernannter "Großdoge der Südlichen Meere" nimmt er zunehmend eine Ceauscescu-Rolle an. Erkrankt an Syphilis muss er große Mengen Drogen nehmen und läßt sich von allerlei zwielichtigen Beratern einiges einreden. Die Briefe der Schwester Anne, die ja wohl Thomas de Quincey ist, lassen ihn ein gigantisches Schattenreich auf der Insel ervbauen, mit großer Mah JJong Halle, einer Eisenbahn, die vor Kulissen fährt und mehr. Eigentlich am besten die lakonische Bemerkung auf der letzten Seiite, danach ist Gould nicht nur der Maler, sondern der Kommandant, der Arzt, der Wahnsinnige, der Wärter und vieles mehr selbst gewesen. Das ist einfach gut. Alles in allem ok, und lesenwert, aber eben nicht DER große Roman, der auf einer Stufe mit Tristram Shandy zu nennen wäre...
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Wir in Berlin

14. März 2005 Gepostet von Unknown 0 Kommentare
Berlin
Schöne, erfolgreiche junge Menschen sind auch in Berlin gern gesehen. In Leipzig natürlich auch. So kann man mit dem Betrachten interessanter Wolkenformationen gepflegt den Tag herumbringen.
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Nochmal was zu BukowskiUnd warum

Gepostet von Unknown 0 Kommentare
Im New Yorker wird nochmal genau dargelegt, warum viele Charles Bukowski mögen und wir ihn eigentlich alle nochmal lesen sollten. Der Grund für das Lob ist übrigens das Erscheinen des mittlerweile neunten Buch posthumous Slouching Toward Nirvana: New Poems (Ecco; $27.50). "Death has not put a dent in Bukowski’s productivity; this is his ninth posthumous book of poems, and there are more to come."
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Ende. Aus. Das war es. Zehn kleine Erzähljuwelen von James Salter

Gepostet von Unknown 0 Kommentare
Die Frankfurter Rundschau über Letzte Nacht. "Ende. Aus. Das war es. Zehn kleine Erzähljuwelen von James Salter widmen sich brüchigen Paarkonstellationen, schreibt Thomas Laux. Die Rezension läßt mich noch freudiger der Buchmesse entgegensehen. Mal reinschauen und sehr wahrscheinlich kaufen. Klingt bisschen wie Raymond Carver, aber "gnadenloser".
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Anarchie im Vogtland - Max Hoelz

8. März 2005 Gepostet von Unknown 0 Kommentare
Der Politiker Max Hoelz (1889-1933) kam sechzehnjährig als Gelegenheitsarbeiter nach London und schloß sich nach seiner Rückkehr 1909 dem Christlichen Verein junger Männer und dem Sittlichkeitsbund "Weißes Kreuz" an. 1912 kam er auf Arbeitssuche ins Vogtland, nahm als Freiwilliger am Ersten Weltkrieg teil, gründete 1918 in Falkenstein im Vogtland einen Arbeiter- und Soldatenrat sowie den Ortsverein der KPD. Während des Generalstreiks gegen den Kapp-Putsch 1920 stellte er eine "Rote Armee" zusammen, wurde wegen Disziplinlosigkeit vorübergehend aus der KPD ausgeschlossen und organisierte 1921 kommunistische Aufstände im Vogtland, wo er eine Räterepublik ausrief, und im mansfeldischen Industriegebiet. Hoelz wurde 1921 verhaftet, des Hochverrats angeklagt und wegen (nicht bewiesenen) Mordes zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt. Bis 1928 in Isolationshaft, wurde er amnestiert, emigrierte 1929 in die Sowjetunion und übernahm Funktionen in der Komintern. Am 18. September 1933 ertrank er beim Baden. Da wird wohl der Geheimdienst seine Finger im Spiel gehabt haben, aber die Umstände seines Todes sind ungeklärt. Einer der bekanntesten Kommunisten der Weimarer Republik, war Hoelz jedoch in der Partei ohne Einfluß. Der Band ist nicht nur die bedeutende Autobiographie eines Arbeiterlebens sondern auch ein wichtiges Quellenwerk für die Vorgänge bei den sozialistischen Aufständen.
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Hoelz, Max: Vom "Weissen Kreuz" zur roten Fahne. Berlin. Malik-Verlag. 1929. Jugend- Kampf- und Zuchthauserlebnisse. Illustrierte Erstausgabe in gutem Zustand (Hermann 195). Ohne den Einband von John Heartfield.
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DIE ZEIT: Die digitale Bibliothek - Linkliste & Bibliographie

4. März 2005 Gepostet von Unknown 0 Kommentare
Dieter E. Zimmer vor einigen Jahren. Ist aber immer noch recht ergiebig.DIE ZEIT: Die digitale Bibliothek - Linkliste & Bibliographie - www.zeit.de/littwett/digbib/digbibsurftips.html
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Habermas und Derrida: Nach dem Krieg: Die Wiedergeburt Europas - FAZ.NET - Feuilleton

Gepostet von Unknown 0 Kommentare
Habe ich eigentlich schon mal die leider kaum reflektierte Debatte verlinkt, die Habermas kurz vor Kriegsbeginn im Irak startete? Seine Initiative für ein Kerneuropa oder Habermas und Derrida: Nach dem Krieg: Die Wiedergeburt Europas - FAZ.NET - Feuilleton wurde in diesen hektischern Zeiten kaum beachtet. Schade eig3entlich. Heute startet der perlentaucher sein neues englisches Portal, damit kann sowas oder eine europäische Debatte zu "Themen" tatsächlich stattfinden. Hoffentlich.
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Noch was zu Bergk

3. März 2005 Gepostet von Unknown 0 Kommentare
Johann Adam B. Bergk, geboren 1769 in Hainichen bei Zeitz, gestorben am 27. Oktober 1834 in Leipzig. "B. lebte als Privatgelehrter in Leipzig und veröffentlichte, teils unter seinem Namen, teils unter Pseydonym (Hainichen, Jul. Frey), eine große Anzahl gegenwärtig vergessener populär-philosphischer Schriften, die sich auf die Kant´sche Philosophie, auf Psychologie, Rechts- und Religionsphilosophie beziehen", wie ein zeitgenössisches Lexikon anmerkt.
Der Staatsrechtler gehörte zur Richtung eines "hilosophischen Jakobinismus", die das Recht des Volkes zu einer Revolution mit dem Naturrecht begründet haben, jede Verfassungsänderung von oben ablehnten und verlangten, dass die freien Staatsbürger die Menschenrechte eigenständig politisch umsetzen.

Der Leipziger Bibliomanic erwähnt hier einen Reprint von 1966.
Noch etwas Lektüre:
'J.A. Bergk’s enlightened Kunst, Bücher zu lesen', in Transactions of the Ninth International Congress on the Enlightenment. Münster 23-29 July 1995, ed. by Anthony Strugnell, 3 vols. (Oxford: Voltaire Foundation, 1996), Vol. II, pp. 741-744.

[With János Riesz] Lesekulturen/Reading Cultures (Frankfurt a.M., Berlin, Bern, New York, Paris, Vienna: Lang, 2003), 164 pp. darin "Kritik der lesenden Vernunft. Johann Adam Bergks Kunst, Bücher zu lesen', in: 2.4., pp. 35-46.

Münchener Osteuropa Zentrum Literatur über Russland ab 1811 hier

Das Lesen von Büchern, die nicht allzu vieles Nachdenken erfordern, befördern den Schlaf. Wer also nicht gleich einschlafen kann, wenn er sich niederlegt, und durch die Begierde und den Willen zu schlafen, den Geist noch mehr beunruhigt und bestürmt, muß sich in den Schlaf lesen (Johann Adam Bergk 1769-1834)
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Deutsche Philosophen ohne Einfluss

Gepostet von Unknown 0 Kommentare
Tugendhat: Deutsche Philosophen müssen Englisch schreiben, schreibt die Netzeitung am 2. März. Ernst TugendhatErnst Tugendhat, Foto: © dpa
Die deutsche Philosophie hat ihren Einfluss verloren. Angelsächsische Philosophen ignorierten heute deutsche Literatur, sagt der Tübinger Philosoph Ernst Tugendhat. Naja, Ernst, weiß nicht. Wenn man davon ausgeht, dass die neue lingua franca das Englische ist, stimmt das natürlich. Dann gilt das aber nicht nur für die Philosophie, sondern - wie es ja auch tatsächlich ist - für alle Spielarten des akademischen Lebens. Ich konnte aber bicht feststellen, dass ein Habermas nicht beachtet wurde im Angelsächsischen.
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