Erst mal vielen Dank an Christians Krautreporter Morgenmail, die schon einige der aktuellen Artikel zum Thema zusammengefasst haben.
Demnach treten extreme und demokratiefeindliche Ansichten vieler Deutscher immer häufiger offen zutage. Das ist zumindest das Ergebnis der Studie Die enthemmte Mitte(pdf) der Universität Leipzig, der Rosa Luxemburg-Stiftung, der Heinrich-Böll-Stiftung und und der Otto Brenner Stiftung. So möchte ungefähr die Hälfte der Befragten, dass Sinti und Roma aus den Innenstädten vertrieben werden. Etwa 40 Prozent finden es „ekelhaft“, wenn Homosexuelle sich in der Öffentlichkeit küssen. Außerdem wird bei Menschen mit rechtsextremer Einstellung immer häufiger Gewalt als Mittel der Interessendurchsetzung akzeptiert. (Deutschlandfunk Die Studie enthält aber auch gute Nachrichten, denn auch das, was die Forscher „demokratisches Milieu“ nennen, wird größer - also beispielsweise die Gruppe derer, die sich ehrenamtlich engagieren. (taz.de) Der Anteil der Befragten mit rechtsextremen Einstellungen sank von neun auf gut fünf Prozent. (tagesschau.de I Fazit des Studienautors Oliver Decker deshalb vor allem: Extreme Einstellungen werden schlicht offener ausgelebt als zuletzt. (tagesschau.de II mit Interview)
Seit 2002 wird an der Universität Leipzig die Verbreitung autoritärer und rechtsextremer politischer Einstellungen in Deutschland untersucht. In diesem Jahr wurde die Befragung zum achten Mal durchgeführt.
"Wir befinden uns in einer historisch besonderen Situation, die durch eine starke Polarisierung und Radikalisierung gekennzeichnet ist. Es gibt dabei ebenfalls eine Stärkung demokratischer Milieus, es zeigt sich aber auch, wie weit die Vorstellungen vom Zusammenleben in der Gesellschaft auseinander liegen. Alarmierend deutlich ist auch die anti-demokratische Einstellung der Anhängerinnen und Anhänger der Pegida-Bewegung und der Wählerschaft der AfD." - Projektleiter Oliver DeckerIn der Pressemitteilung der beiden Studienverfasser Oliver Decker und Elmar Brähler finden sich eindeutige Aussagen zur Einschätzung von Pegida und AfD, die sie auf die Auswertung von Angaben von bundesweit 2.420 Menschen (West: 1.917, Ost: 503) gründen:
Wer Pegida befürwortet, ist zumeist rechtsextrem und islamfeindlich eingestellt und sieht sich umgeben von verschwörerischen, dunklen Mächten.Und zur AfD:
Die meisten AfD-Wähler teilen eine menschenfeindliche Einstellung.In der regelmäßigeren Allensbach-Umfrage zur Politik wird die Regierung in Flüchtlingsfragen besser als noch vor einiger Zeit bewertet. Die Zahl derjenigen, denen die Flüchtlingssituation Sorgen bereitet, sank von 48 Prozent auf 32 Prozent. (Frankfurter Allgemeine)
Fakt ist auch, das wurde im Deutschlandfunk angemerkt, die Studie wurde von den Grünen und den Linken finanziert. (Leider nicht online zu finden.)
Ein - spärlicher - Trost: Im Vergleich zu rechten Einstellungen in anderen europäischen Staaten stehe Deutschland im Mittelfeld, sagt Brähler. In Österreich zum Beispiel seien Umfrageergebnisse noch weitaus bedrohlicher als in Deutschland.
Unterlagen zur Studie - Gesamtfassung, Pressemitteilung und Präsentation
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