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Notizen aus Leipzig

Gelesen: Antje Kullmann Echtleben

18. Januar 2012 Gepostet von Unknown 0 Kommentare
Jammern auf hohem Niveau

Das erste Buch von Katja Kullmann habe ich als Mann, ob des etwas verstörenden Titels Generation Ally, nicht gelesen. Das aktuelle Buch Echtleben: Warum es heute so kompliziert ist, eine Haltung zu haben weckte mehr Interesse. Es bleibt leider etwas unklar, was Kullmann mit dem Buch erreichen will. Es ist kein Roman, aber auch kein Sachbuch. Kullmann schildert in der Ich-Perspektive die Schwierigkeiten des modernen Lebens. Und dabei spart sie noch – als Frau um die 40 – die diese Generation betreffenden Kinder- und Familienthemen und die daraus resultierenden Probleme aus. Aber die Schwierigkeiten des Lebens genügen auch so schon. Denn, wie alle um 1970 Geborenen, hat sie in Zeiten der „verschärften kapitalistischen Flexibilisierung“ ganz schön zu tun. Optimistisch beginnend als sogenannte „Freelancerin“, d.h. als Freiberuflerin ohne betrieblichen Hintergrund, als Kleinstunternehmerin, die nichts zu verkaufen hat als ihre journalistischen Texte, und lediglich ihre Arbeitskraft am Markt anbieten kann, wird sie bald mit den Niederungen und Unsicherheiten konfrontiert, die entstehen, wenn Aufträge storniert werden und wegbrechen – und auf einmal gar kein Geld mehr da ist. Die Szenen, die sie als HartzIV-Empfängerin auf dem Arbeitsamt erlebt und beschreibt, gehören mit zu den eindruckvollsten des Buches. Denn auf einmal ist es gar nicht mehr so einfach Würde zu behalten, und alle die, die sich auf dem Amt einfinden müssen, sind ihr weder so fern, dass sie aus der Distanz eine „gelungene Reportage“ schreiben könnte, noch werden sie von ihr als gänzlich Gestrauchelte gesehen – immerhin beantragt sie ja auch gerade Unterstützungsleistungen.
Was auffällt: Permanente Vorläufigkeit – in Arbeits-, Freundschafts- wie in Liebesbeziehungen – „noch zwei, drei Jahre, dann sehen wir weiter“ – scheinen ein Merkmal unserer Zeit zu sein. Offenbar gezwungenermaßen, denn Flexibilität ist wohl die wichtigste der abverlangten „Tugenden“.  Bildung, Kreativität und Fleiß, die allseits gelobten Individualtugenden des Spätkapitalismus dagegen – sie rechnen sich offenbar nicht. Denn auch Kullmann scheitert trotz höchster Qualifizierung und Ehrgeiz.
Kullmann hinterfragt deswegen  - wenn Wirtschaftskrisen, Flexibilisierung und Erosion der Mittelschicht den Takt vorgeben - auf der persönlichen Ebene: Bin ich noch bereit, meine Ideale zu verraten, um meinen sozialen Status zu halten? Was ist der Ausweg, wenn mein individualisiertes Lebenskonzept in die Sackgasse führt?
Beim  Lesen fällt auf, hier jammert jemand auf hohem Niveau. Denn dass freie Autoren es schwer haben, sich durch die Arbeit am Papier am Leben zu halten, ist unbestritten. Aber es gibt Menschen, die es noch viel schwerer haben. Der letzte UN-Bericht vom Juli diesen Jahres kritisierte schwere Versäumnisse bei der deutschen Sozialpolitik, wie über Generationen währende Bildungsbenachteiligung, Kinderarmut, ein Hartz-IV-System, das keinen angemessenen Lebensstandard garantiert und mit seinen Sanktionsklauseln gegen das Recht auf Berufsfreiheit verstößt. 13 Prozent der Deutschen leben unter der Armutsgrenze. Diese Menschen haben es deutlich schwerer als die Autorin.
Es bleibt festzuhalten, es handelt sich um ein soziologisches und politisches Buch. Aber es ist eben kein Roman, sondern wohl vor allem Lamentier-Literatur, ohne tiefere Erkenntnis. Und es geht offenbar weniger um die Suche nach einer Haltung, als vielmehr um die Suche mit einer Haltung Geld zu verdienen. Aber das ist auch schon schwer genug.
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Leipzig

So ungerecht verteilt der Freistaat Sachsen seine Fördergelder

Gepostet von Unknown 0 Kommentare
Auch mal interessant die BILD zu zitieren: Mit 600 Millionen mehr förderte der Freistaat die Landeshauptstadt Dresden. Die größere Stadt Leipzig hatte nur das Nachsehen...

Dresden viel, Leipzig wenig: So ungerecht verteilt der Freistaat Sachsen seine Fördergelder - Leipzig - Bild.de

Dresden viel, Leipzig wenig
So ungerecht verteilt der Freistaat Sachsen seine Fördergelder


Leipzig bei Nacht

Dresden viel, Leipzig wenig So verteilt Sachsen Fördergelder


Leipzig: Die ungeliebte Messestadt bekam in fünf Jahren rund 600 Mio. Euro weniger Fördergeld aus der Staatskasse als Dresden

Foto: Matthias Ludwig - Fotolia

17.01.2012 —         00:16 Uhr

Von ERIK TRÜMPER


Leipzig – Ab 2014 soll Leipzig von der EU mindestens 20 Prozent weniger Fördermittel erhalten als Dresden. Die Begründung der Brüsseler Bürokraten: Leipzig ginge es trotz höherer Arbeitslosigkeit wirtschaftlich besser. Auf rund 200 Mio. Euro müssten wir dann verzichten, während die Landeshauptstadt fleißig weiter gefördert wird.

Dabei zieht Leipzig schon jetzt den Kürzeren. Denn auch der Freistaat Sachsen schießt den Dresdnern deutlich mehr Förder-Millionen zu als uns. BILD hat die Zahlen von 2006 bis 2010 verglichen.

► Job-Förderung. Trotz niedrigerer Arbeitslosigkeit (Dresden: 8,9 %, Leipzig: 11,6 %) überwies der Freistaat in fünf Jahren 167,34 Mio. Euro nach Dresden, nur 136,75 Mio. nach Leipzig.

► Forschungs- und Technologieförderung. Dresden bekam 429,62 Mio. Euro, Leipzig 87,29 Mio. – gerade mal ein Fünftel!

► Gesundheitswesen. 123,08 Mio. Euro für Dresden, nur 86,37 Mio. für uns.

► Verkehr. Der Freistaat unterstützte die Verkehrsinfrastruktur in Dresden mit 303 Mio. Euro. Für Leipzig blieb nur gut die Hälfte: 176,3 Mio. Euro.

► Schulhausbau. Dresden konnte sich über 123,79 Mio. Euro Zuschuss freuen. Das war mehr, als die Stadt Leipzig (34,44 Mio.) und die Landkreise Leipzig sowie Nordsachsen zusammen erhielten (102 Mio. Euro)!

Insgesamt wurde Dresden vom Freistaat zwischen 2006 und 2010 mit über zwei Milliarden Euro bedacht. Leipzig dagegen mit nur 1,48 Milliarden – ein Drittel weniger!

Inzwischen warnen selbst Landtagsabgeordnete der CDU/FDP-Koalition. „Das Ungleichgewicht bei der Zuteilung der Mittel darf für Leipzig nicht noch deutlicher werden“, sagt Ronald Pohle (41, CDU).

Ziel der Leipziger Abgeordneten: Der Freistaat soll die fehlenden Mittel aus Brüssel kompensieren.

Bin ich ja mal gespannt, bisher haben sich die Leipziger CDU-Abgeordneten vorrangig an die Parteidisziplin gehalten, ob sich da was ändern wird...eher unwahrscheinlich.

Dazu passen dann übrigens auch die zahlen, wieweit die EU Fördergelder verteilt:


Mit 851,6 Mio. Euro hat sie in den letzten 20 Jahren das reiche Dresden gefördert. Auch das industriestarke Chemnitz erhielt 652,6 Mio. Euro – während in Leipzig „gerade einmal“ 313,7 Mio. Euro ankamen. Warum das so ist?
Die Begründung ist haarsträubend: Leipzig wird in Brüssel als wirtschaftsstarke Region gelistet und erhielt deswegen lediglich noch Übergangs-Fördermittel!

EU-Investitionen 14 Milliarden Europa- Euros für Sachsen

Während Dresden und Chemnitz weiter Höchstförderung kassierten, wie Sachsens Europaminister Jürgen Martens (52, FDP) sagte. Verantwortlich dafür ist die Tatsache, dass bei uns in den vergangenen fünf Jahren die Arbeitslosenquote ziemlich schnell um 9 Prozent sank, während sie in Dresden und Chemnitz nicht so spürbar nachgab. Dabei hat Leipzig 12,4 Prozent Arbeitslosigkeit; Dresden und Chemnitz haben nur je 9,4 Prozent...
Bis 2013 wird die Verteilung nicht besser. Sachsen erhält 4 Milliarden Euro von der EU. Während Dresden und Chemnitz aus der Höchstförderung eine Stufe tiefer fallen, sollte es für Leipzig eigentlich gar nichts mehr geben. Wenigstens das konnte Martens in Brüssel verhindern, schreibt ERIK TRÜMPER, ebenfalls BILD.
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9. Januar 2012 Gepostet von Unknown 0 Kommentare

Arthur Schopenhauer bemerkte, der Tod wäre sicher weniger schlimm, würde man sich mal wirklich bewusst machen, wie unendlich lange wir vor unserer Geburt nicht waren.

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