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Notizen aus Leipzig

Goodbye Facebook

26. September 2011 Gepostet von Unknown 0 Kommentare
Goodbye Facebook | Off the record schreibt Olaf Kolbrück am 26. September 2011. Ich hatte andere Gründe, bin daher schon lange raus - was nicht so einfach war - aber spätestens jetzt wäre ich weg.
Natürlich bleibt Facebook ein Service. Meine Silberlinge sind meine Daten. Ein paar Groschen wären nicht das Problem. Es ist die Masse und die Verknüpfung der Daten, die mir ein Stück meiner Selbstbestimmtheit über meine Transparenz nimmt. Eine Selbstbestimmtheit, die man durch Kontrolle wiedererlangen könnte. Selbst das macht Facebook umständlich, wenn es erst mit viel Papierkram eine Facebook-Daten-CD herausrückt.
Aber das ist noch nicht einmal der Kern des Problems. Ebenso wenig, ob und was nun per Cookie aufgezeichnet wird, oder auch nicht, solange ich nicht bei Facebook ausgeloggt bin. Ich kann das nicht sachkundig nachvollziehen. Ich spüre aber, dass mir meine Kontrolle über meinen OpenGraph-Datenstrom zunehmend entgleist. Transparenz ist eine Einbahnstraße. Ich bin gegenüber Facebook transparent, umgekehrt gibt es nur ein milchiges Glas. Mit jeder Neuerung und mit jeder Änderung der AGB wird das Bild trüber. So schnell und doch zugleich so scheibchenweise, dass wir es gar nicht merken, wie unser Datenschatten immer länger wird.

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Gelesen: Millennium in Belgrad von Vladimir Pištalo

23. September 2011 Gepostet von Unknown 0 Kommentare

Belgrad im Jahre 1980. Eine Gruppe Jugendlicher verfolgt im Fernsehen die nationale Trauerfeier für den soeben verstorbenen Präsidenten Tito. Boris, Bane, Zora und Irina betrinken sich beim Anblick der ergriffenen Menge und begleiten die Szenen mit spöttischen und derben Kommentaren. Sie haben zu diesem kommunistischen Volkshelden kein Verhältnis und interessieren sich nur für ihre privaten Schicksale, ihre individuellen Träume und Wünsche. Eine neue Zeit ist angebrochen. In Belgrad brodelt eine innovative Musikszene, die ›Belgrader Neue Welle‹, deren Ziel und Kern in den Augen des Ich-Erzählers »die Eroberung von sich selbst« ist und mit der er sich voll identifiziert. »Ich konnte getrost sagen: Das, was hier passiert, ist ganz mein Ding. Meine Stadt ist endlich meine Stadt.« Doch alle Hoffnungen werden zunichte gemacht und Dämonen von Neid, Eifersucht und Nationalismus werden entfesselt. Ein Roman, der differenziert die Mechanismen beleuchtet, die den Krieg auslösten, und eine berührende Geschichte über Freundschaft und Liebe. - Soweit der Klappentext.

Es gibt einen Hintergrund, ich habe das Buch von H. geschenkt bekommen, und die Leseprobe war vielversprechend.
Leider kann ich mich aber den begeisterten Besprechungen nicht ganz anschließen. Auch wenn der Stil sehr schön ist, und die Kernerzählung, nicht nur Jugoslawien zerbricht, sondern auch eine scheinbar unverrückbare Freundschaft der fünf Helden, sehr gut ist, konnte ich mich nicht richtig reinfallen lassen. Wahrscheinlich lag es daran, dass alle seltsam entfernt blieben, vielleicht habe ich da andere Erwartungen an die Vorstellung und Einführung von Charakteren, sie wurden ja auch recht plastisch vorgestellt, aber...Was mich echt etwas gestört hat, ist, dass offenbar profunde Kenntnisse der Belgrader Stadtarchitektur notwendig sind.

Leseprobe
Ich saß da, an meinem Geburtstag, in einem Leben, das ich nicht kapierte, und ich hörte zu, wie die Glotze ein Resümee der Ereignisse zog: Zuerst wurde Titos Leichnam in einem speziellen Zug von Lublijana nach Belgrad transportiert. Dann wurde er in einem verschlossenen Sarg im jugoslawischen Parlament aufgebahrt. Mit ihrem Schmerz ringend, trugen zweihundert Volkshelden ihre höchsten Auszeichnungen am Sarg vorbei. Diesen Weg ging in den kommenden fünf Tagen jeder fünfte Jugoslawe. ›Schau mal diese Kolonnen‹, sagte ich zu Bane, während wir im Schatten einer Baumreihe gegenüber dem Parlament in der hell erleuchteten Stadt voll verstummter Menschen standen. ›Das Herz dieser Stadt ist momentan eine Leiche.
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Gelesen: Klaus Walther Bücher sammeln

Gepostet von Unknown 0 Kommentare
Bücher sammeln: Kleine Philosophie der PassionenDer Rezension zu Klaus Walthers - Bücher sammelnlässt sich nicht viel hinzufügen. Auch ich fand den plaudernden Stil recht lesbar, aber am Ende fragt sich, ob es nicht eine verschenkte Lektürestunde war. Da blätter ich doch lieber in Bildbänden...
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Karriere oder nicht...

15. September 2011 Gepostet von Unknown 0 Kommentare
Ein Leben...
Man stelle sich zum Beispiel vor, daß ein alter Freund von mir, der erste wirklich gebildete Mann, den ich in meinem Leben kennen lernte, bei der Post angestellt war - er wollte ganz einfach seine Ruhe haben, er hatte keine Ambitionen auf eine große Karriere, und in all den Jahren hinter seinem Postschalter konnte er sich bis zu seiner Pension mit seinem Gehalt eine schöne Vier-Zimmer-Wohnung kaufen, eine großartige Bibliothek mit einigen tausend Bänden und zahlreichen Kunstbänden einrichten… (Maike Albath: Der Seelenbegleiter. Über den großen Triestiner Intellektuellen Roberto Bazlen und seinen ungeschriebenen Roman
via Bücherlei Weblog
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Klabund

Gepostet von Unknown 0 Kommentare
Einfach mal von einem Antiquariat übernommen.

Klabund (* 4. November 1890 in Crossen an der Oder; 14. August 1928 in Davos; eigentlich Alfred Henschke) war ein deutscher Schriftsteller Klabund, eigentlich Alfred Henschke, war der Sohn eines Apothekers (mit gleichem Namen) und dessen Frau Antonia. Im Alter von 16 Jahren erkrankte er an Tuberkulose; die Ärzte diagnostizieren anfangs allerdings fälschlich eine Lungenentzündung. Die Krankheit sollte Klabund sein kurzes Leben lang begleiten und ihm nebst vielen Kurreisen (Italien, Davos etc.) auch größere finanzielle Probleme bereiten. Nach dem Abitur, das er 1909 mit besten Noten am Humanistischen Friedrichsgymnasium in Frankfurt (Oder) bestand, studierte er erst Chemie und Pharmazie in München, wechselte aber bald die Fächer und studierte dann Philosophie, Philologie und Theaterwissenschaften in München, Berlin und Lausanne. Bereits in München erhielt er durch den Theaterwissenschaftler Artur Kutscher Zugang zur Boheme und machte unter anderem die Bekanntschaft von Frank Wedekind. 1912 brach er das Studium ab und legte sich, nach ersten Veröffentlichungen, das Pseudonym Klabund zu. In Anlehnung an den verehrten Peter Hille gab er vor, ein vagabundierender Poet zu sein. Ein erster Band mit Gedichten erschien unter dem Titel Morgenrot! Klabund! Die Tage dämmern! Das Pseudonym Klabund geht auf einen in Nord- und Nordostdeutschland geläufigen Familiennamen (Apothekersname) zurück und wird von ihm unter anderem als eine Zusammensetzung aus den beiden Wörtern Klabautermann und Vagabund erklärt. Weitere Erklärungen sind 1. Klabund als onomatopoetische Umsetzung eines Trompetenstosses und eines Posaunenschlages. 2. Ab 1916 gab Klabund dem Pseudonym eine weitere Bedeutung: "Wandlung". Dies geschah durch seinen Gesinnungswandel gegenüber der Kriegsbegeisterung durch seine damalige Lebensgefährtin Brunhilde Heberle. Weitere Pseudonyme, die Henschke gebrauchte: Jucundus Fröhlich (in der Zeitschrift Jugend) und Pol Patt (für die erotischen Gedichte Carmencita, Marianka und Mady-Foxtrott. 1913 kam der Kontakt zu Alfred Kerrs Zeitschrift PAN zustande; ebenso veröffentlichte er in der Jugend und im Simplicissimus. Von 1914 an war er Mitarbeiter der Zeitschrift Die Schaubühne, die später in Die Weltbühne umbenannt wurde. Den Ersten Weltkrieg begrüßte er anfangs begeistert, wie nicht wenige andere Schriftsteller auch, und verfasste eine Reihe patriotischer Soldatenlieder. Zum Militär wurde Klabund nicht eingezogen, da mittlerweile diagnostiziert worden war, dass beide Lungenflügel von Tuberkulose befallen waren. Die Jahre bis zu seinem Tod hielt er sich nun häufig in Schweizer Lungensanatorien auf. In dieser Zeit begann er auch damit, sich mit fernöstlicher Literatur zu beschäftigen, die er in der Folge häufig übersetzte und bearbeitete. Infolge seiner Tuberkuloseerkrankung traf er 1915 in Davos den jungen österreichischen Dichter Hans Kaltneker. Klabund machte die Feststellung "Man müsste einmal eine Literaturgeschichte der Schwindsüchtigen schreiben, diese konstitutionelle Krankheit hat die Eigenschaft, die von ihr Befallenen seelisch zu ändern. Sie tragen das Kainsmal der nach innen gewandten Leidenschaft." 1915 wurde Klabund in einem Prozess zu einer geringen Geldstrafe verurteilt. Der Prozess war für ihn eine großartige Werbung. Im Laufe des Krieges wandelte sich Klabund zum Kriegsgegner. Beeinflusst wurde er in dieser Wandlung durch Brunhilde Heberle, seine zukünftige Frau, die er mit ihrem zweiten Vornamen Irene (das heißt "die Friedliche") nannte. 1917 veröffentlichte die Neue Zürcher Zeitung Klabunds offenen Brief an Wilhelm II. mit der Aufforderung zur Abdankung.[1] Gegen Klabund wurde daraufhin ein Verfahren wegen Vaterlandsverrat und Majestätsbeleidigung eingeleitet. In der Schweiz gehörte er zum Kreis um Rene Schickele, für dessen pazifistische Weiße Blätter er auch schrieb. 1918 heiratete er Brunhilde Heberle, die er im Lungensanatorium kennen gelernt hatte. Seine Frau starb jedoch schon im selben Jahr nach einer Frühgeburt. Vier Monate später, am 17. Februar 1919, starb auch das Kind. Im Jahr seiner Eheschließung erschien Klabunds erfolgreichstes Prosawerk, der Roman Bracke (eine Eulenspiegel-Erzählung). 1920 widmet Klabund seiner Freundin und Muse Marietta di Monaco den kurzen Liebesroman Marietta. 1923 heiratete er die Schauspielerin Carola Neher, mit der er eine turbulente Ehe führte (häufige Trennungen, Affären Nehers etc.) 1925 wurde das auf eine chinesische Dichtung zurückgehende Stück Der Kreidekreis in Meißen uraufgeführt; die Berliner Aufführung im selben Jahr machte das Stück zum großen Erfolg (Bertolt Brecht verfasste, davon angeregt, später seinen Kaukasischen Kreidekreis). In den folgenden Jahren schrieb Klabund regelmäßig auch für Kabaretts wie zum Beispiel Schall und Rauch. Seine volkstümlichen, an den Bänkelsang angelehnten Gedichte und Lieder erreichten in diesen Jahren ihre größte Popularität. Im Mai 1928 erkrankte er bei einem Italienaufenthalt an einer Lungenentzündung, die zusammen mit seiner nie ausgeheilten Tuberkulose lebensbedrohlich wurde. Zur Behandlung brachte man ihn nach Davos, wo er aber, Carola Neher an seiner Seite, kurz darauf verstarb. Begraben wurde er in Crossen; die Grabrede hielt sein Freund Gottfried Benn. Klabund ist ein Stern im Walk of Fame des Kabaretts gewidmet. Im Jahr 1933 wurde in Wien Döbling (19. Bezirk) die Klabundgasse nach ihm benannt.
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Gelesen Christoph Bauer Jetzt stillen wir unseren Hunger

8. September 2011 Gepostet von Unknown 0 Kommentare
Ein spätes Debüt, das Christoph Bauer mit Jetzt stillen wir unseren Hunger vorlegt. Und so richtig weiß ich nicht, was davon zu halten ist. Am Anfang las es sich einigermaßen vergnüglich, hatte Witz und dennoch Tiefgang. Aber der Erzähler Tom Weinreich wird mir dennoch nicht symphatisch, ein verschrobener Jungeselle und gescheitert Wissenschaftler um die 40. Das Ende ist dermaßen offen, gab es die Mascha tatsächlich oder ist es ein Alkoholdelirium? Auch Mascha  ist nicht symphatisch. Was hat sie an ihrem Ehemann gefunden um 20 Jahre mit ihm zusammenzubleiben? Und was hat sie vor allem an diesem ominösen Karl gefunden, einer Jugendliebe, der sie mit 17 zum ersten Mal ihre Liebe gestanden hat und der sich 20 Jahre später als gescheiterter Dramatiker umbringt. Alles in allem recht seltsam, das zeigen auch die durchaus widersprechenden Kritiken beim Perlentaucher.

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Buch Geschichte Gesellschaft Rußland

Gelesen: Issac Singer - Satan in Goraj

7. September 2011 Gepostet von Unknown 0 Kommentare
Gerade festgestellt, dass Issac Singer - der Autor von Satan in Goraj 1978 auch den Literaturnobelpreis erhielt. Literatur-Nobelpreis: Alle Preisträger Satan in Goraj war sein erstes Buch, das wohl noch in jiddisch - Der sotn in Goray - geschrieben wurde. Es ist für die Lektüre sicherlich nicht schlecht, wenn man Grundkenntnisse im Alten Testament mitbringt. Nach den schrecklichen Pogromen des Богдан Хмельницькийim (Bohdan Chmelnyzkyj) um 1648, denen um die 100000 Juden in Osteuropa zum Opfer fielen, besiedeln die Leute wieder das Dorf Goraj.
Doch alles ist anders, die alte Ordnung bröckelt, der alte Rabbi schafft es nicht die kabballistischen Umtriebe zu bändigen. Mehr und mehr Bewohner erwarten den "Messias" Shabbetaj Zvi. Hier sind dann Bibelkenntnisse gefragt. Am 31. Mai 1665, während eines Aufenthaltes in Gaza, erklärte sich Schabbetajzum Messias. Zeichenhaft ernannte er zwölf Mitglieder der Gemeinde zu Gaza zu Repräsentanten der zwölf Stämme Israels. Dies war der Beginn der messianischen Bewegung, die den Namen Schabbtais tragen und die ganze jüdische Diaspora erschüttern sollte (Sabbatianer). In Goraj treffen mehr und mehr Seher und Verkünder ein. Während der erste bald im Wahnsinn versinkt, hat der Anführer, der Schächter Reb Gedalja, fast heiligen Einfluss. Er übernimmt die Führung der Gemeinde, doch unter seinem Einfluss und angeheizt durch eine sich zur Hysterie steigernden messianischen Erwartung brechen nach und nach die Schranken von Sitte und Gesetz. Reb Gedalja nimmt Rechele, eine junge, von Krankheit und prophetischen Visionen gequälte Frau, zu sich, obwohl sie noch mit dem ersten Verkünder verheiratet ist. Rechele verfällt den Dämonen. Es gelingt zwar, den Dibbuk auszutreiben, der von ihr Besitz ergriffen hat, sie stirbt aber wenige Tage später. Die erhoffte Wiederkunft des Messias findet nicht statt und die Einwohner von Goraj stehen enttäuscht vor den Trümmern ihrer Existenz.
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