Anthony Burgess - Der Fürst der Phantome
Mit der Lebensgeschichte von zwei ungewöhnlichen Gestalten bietet Anthony Burgess nicht nur ein imposantes Fresko des letzten Jahrhunderts. Ken Toomey ist der schwule Schriftsteller billiger Romane, der viel Geld verdient aber auf der Suche bleibt. Sein angeheirateter Schwager,ein Lebemann, der gern isst, trinkt und spielt, wird der spätere Papst Gregor. Toomey soll eine Wunderheilung bezeugen, der Geheilte ist, wie sich später herausstellt, der Anführer der Jones-Sekte, die Anfang der 70er Jahre durch einem Massenmord ausgelöscht wird. Paradoxerweise sind es also gerade
die Überhöhungs- und Vollkommenheitsbestrebungen von religiösen und
politischen Führern, die das Böse in die Welt hineintragen. Denn was wäre geschehen, hätte Papst Gregor Jones nicht gerettet?
James Joyce und der Katholizismus sind laut Wikipedia die zwei treibenden Quellen, die Burgess Leben und seine Bücher beeinflussten. (Ein überaus interessantes Leben übrigens.) Auch Der Fürst der Phantome widmet sich ausführlich und in wunderbaren Predigten des Papstes Gregor mit dem Verhältnis von Gott und dem freien Willen. Wer also mal der Frage nachgehen will, wieso Gott das Böse zulässt und ob es überhaupt Gott gibt, findet interessante Ansätze.
Mehr in der ZEIT
Anthony Burgess: Der Fürst der Phantome Aus dem Englischen von Wolfgang Krege; Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 1996; 870 S., 54,- DM
the cream
Kim Jong-il
On the Spot with Kim Jong-il - The Big Picture
Herrliche Bilder. Besonders beachtenswert ist Bild 24, auf dem die Spitzen des Groß-Nordkoreanischen Reiches fast alle identische gelbliche Popelinejacken tragen. Ich denke, die würden auch hierzulande ein Verkaufsschlager werden.
Kamera zum selberbauen “Rubikon Pinhole Rebel”
Doch der Aufwand lohnt sich. Bei einer Lochkamera kommen meist ganz besondere Bilder zum Vorschein. Diffuse Lichtstimmungen, einfallende Strahlen oder ein stimmungsvoller Nebel sorgen für neue Blickwinkel.
Und das Beste: den Bausatz der “Rubikon Pinhole Rebel” lässt sich kostenlos als PDF unter www.huberokororo.com herunterladen.
Rubikon Bild (via flickr)
Kinowelt verlagert Firmensitz von Leipzig nach Berlin
Mitte 2011 verlagert die Kinowelt ihren Firmensitz von Leipzig nach Berlin vermeldet heute wenig überraschend die LVZ. Ich hatte darüber bereits Ende 2009, nach dem Verkauf an Vivendi geschrieben. Kommt also nicht wirklich aus dem Nichts, die Entscheidung. Schade aber trotzdm, immerhin hängen 130 hochqualifisierte Arbeitsplätze und 1,6 Mio Steueraufkommen jährlich für die Stadt dran. Die Mitarbeiter sollen auch pendeln können, das sei ein weiterer Beweggrund für Berlin gewesen, da München weiter weg ist, und weiter weg rutscht, wenn die ICE ab Dezember nicht mehr über Leipzig sondern über Halle fahren.

Heike Makatsch spielt in Leipzig Theater
Heike Makatsch spielt in Leipzig Theater. Hartmann machts möglich und holt sie für seine Iszenierung von "Paris, Texas" von Wim Wenders nach Leipzig. „Uns hat nicht interessiert, eine buchstäblich ausgezeichnete Filmschauspielerin ins Theater zu holen. Uns interessiert, eine ausgezeichnete Schauspielerin fürs Theater zu entdecken“, sagt Hartmann. Jo. Ich bin sehr gespannt.
Centraltheater verpflichtet Heike Makatsch

Centraltheater verpflichtet Heike Makatsch
When the morning come
Die Band OK Go hat für den Song "This Too Shall Pass" emeinsam mit Syyn Labs eine wahnsinnig lange "Rube Goldberg Machine" gebaut - eine komplexe Maschine, die per Kettenreaktion zu einem einfachen Ziel führt. Der Bau hat mehrere Monate gedauert - und das Video wurde in einer einziger Einstellung gefilmt. (via Kressexpress>
Simplicissimus in einer "Neuübersetzung" lesbar gemacht
Reinhard Kaiser, ehemaliger Lektor, Autor und Übersetzer u.a. von Susan Sontag, H.D. Lawrence und Sylvia Plath, ist es gelungen, diesen gewaltigen Roman (wieder oder neu) lesbar zu machen, ohne ihm etwas von seiner Vielschichtigkeit, seinen Mehrdeutigkeiten und seiner Komik zu nehmen. Die neue Sprache passt sich behutsam dem Original an, sie biedert sich nicht dem heutigen Leser an.
Er übersetzt Worte, die verloren gingen und er ersetzt Worte, deren Bedeutung sich im Laufe der Jahrhunderte veränderten (im Nachwort führt Kaiser als Beispiel „etliche“ an, damals „einige wenige“, heute „sehr viele“).
Der Simplizissimus ist "sowohl Schelmen- als auch Abenteuerroman, er entwirft in Andeutungen eine gesellschaftliche Utopie. Als ethisch- moralische Lehrstück ist der ebenso lesbar wie noch immer zutreffend. Die Aufzählung ließe sich noch um Kriegs- bzw. Antikriegsroman, Reisebericht oder Gesellschaftssatire ergänzen. Im letzten Teil findet sich die thematische Vorwegname des „Robinson Crusoe“."
"Ich war bereits nah am Tod"
Aber leider: Mors certa, hora incerta. Dennoch schöner Text. Womöglich lohnt sich das Buch...
"Ich war bereits nah am Tod"
von Kathrin Schmidt
Für ihren Roman "Du stirbst nicht" erhielt die Schriftstellerin den Deutschen Buchpreis. An ihrem letzten Tag fürchtet Kathrin Schmidt nur die erneute Rückkehr ins Leben
Es wäre schön, wenn ich ihn kennen würde, meinen letzten Tag. Aber ich denke, er wird sich versteckt halten hinter all den anderen Tagen, weil er weiß, dass ich keine Angst vor ihm habe. Warum auch? Einmal war ich nah dran am Tod. Das war erst bedrängend, als die Rückkehr ins Leben anstand und ich sprechen, laufen, mich neu orientieren lernen musste. Wenn das wegfällt, und das wird es ja an meinem letzten Tag, kann ich mir den Tod nur noch als warmen, dunklen, voluminösen Kapuzenmantel denken. Stellte er sich mir vor, mein letzter Tag, würde ich ihn begrüßen mit einem starken schwarzen Kaffee.
Dann hieße es aber: Beeilung, denn meine fünf verstreuten Kinder würde ich natürlich alle noch einmal sehen wollen. Allerdings unter einer Tarnkappe, damit sie nicht gestört werden bei ihren alltäglichen Verrichtungen. Maria lebt im norwegischen Trondheim als Violinistin mit Mann und zwei Kindern. Nina ist mit ihrer Tochter nach vier Jahren Bremen nach Berlin zurückgekehrt und studiert im Masterstudiengang an der Freien Universität Soziologie. Tilman hat sich dem Holzbau verschrieben, den er in Rosenheim studiert, um einmal Fachwerk restaurieren und Dächer aufsetzen zu können. Oskar ist angehender Mediziner und lebt in Berlin. Bei uns im Haus lebt nur noch Moritz, der zwölf ist und Neugymnasiast. Ruhe und Zufriedenheit bewegen mich beim Blick auf alle fünf, und ich denke, das wird sich nicht ändern. Auch an meinem letzten Tag nicht.
Ich werde spät abends erst zurück sein können, zwischen Trond- und Rosenheim liegen mehr als zweitausend Kilometer. Wenn noch Zeit bleibt, werde ich mir eine Flasche des geliebten Saale-Unstrut-Weines, weiß, öffnen. Bei kühleren Temperaturen werde ich mich an den Kaminofen setzen mit meinem Mann und seine Hand halten. Wenn es allerdings warm sein sollte, würde ich die weinbewachsene Terrasse am Haus bevorzugen. Ich sehe mich mit Kopfhörern sitzen, unter denen Bachs Cello-Suite Nr. 2 so laut sein kann wie sie will. Als sie zu Ende ist, möchte ich gehen.
Ich sterbe, sage ich ruhig.
Ja, sagt mein Mann.

"Ich war bereits nah am Tod"
von Kathrin Schmidt
Für ihren Roman "Du stirbst nicht" erhielt die Schriftstellerin den Deutschen Buchpreis. An ihrem letzten Tag fürchtet Kathrin Schmidt nur die erneute Rückkehr ins Leben
Es wäre schön, wenn ich ihn kennen würde, meinen letzten Tag. Aber ich denke, er wird sich versteckt halten hinter all den anderen Tagen, weil er weiß, dass ich keine Angst vor ihm habe. Warum auch? Einmal war ich nah dran am Tod. Das war erst bedrängend, als die Rückkehr ins Leben anstand und ich sprechen, laufen, mich neu orientieren lernen musste. Wenn das wegfällt, und das wird es ja an meinem letzten Tag, kann ich mir den Tod nur noch als warmen, dunklen, voluminösen Kapuzenmantel denken. Stellte er sich mir vor, mein letzter Tag, würde ich ihn begrüßen mit einem starken schwarzen Kaffee.
Dann hieße es aber: Beeilung, denn meine fünf verstreuten Kinder würde ich natürlich alle noch einmal sehen wollen. Allerdings unter einer Tarnkappe, damit sie nicht gestört werden bei ihren alltäglichen Verrichtungen. Maria lebt im norwegischen Trondheim als Violinistin mit Mann und zwei Kindern. Nina ist mit ihrer Tochter nach vier Jahren Bremen nach Berlin zurückgekehrt und studiert im Masterstudiengang an der Freien Universität Soziologie. Tilman hat sich dem Holzbau verschrieben, den er in Rosenheim studiert, um einmal Fachwerk restaurieren und Dächer aufsetzen zu können. Oskar ist angehender Mediziner und lebt in Berlin. Bei uns im Haus lebt nur noch Moritz, der zwölf ist und Neugymnasiast. Ruhe und Zufriedenheit bewegen mich beim Blick auf alle fünf, und ich denke, das wird sich nicht ändern. Auch an meinem letzten Tag nicht.
Ich werde spät abends erst zurück sein können, zwischen Trond- und Rosenheim liegen mehr als zweitausend Kilometer. Wenn noch Zeit bleibt, werde ich mir eine Flasche des geliebten Saale-Unstrut-Weines, weiß, öffnen. Bei kühleren Temperaturen werde ich mich an den Kaminofen setzen mit meinem Mann und seine Hand halten. Wenn es allerdings warm sein sollte, würde ich die weinbewachsene Terrasse am Haus bevorzugen. Ich sehe mich mit Kopfhörern sitzen, unter denen Bachs Cello-Suite Nr. 2 so laut sein kann wie sie will. Als sie zu Ende ist, möchte ich gehen.
Ich sterbe, sage ich ruhig.
Ja, sagt mein Mann.
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