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Journalismus: Jetzt auch aus Textbausteinen vom Kollege Automat
Dieses Szenario ist wohl gar nicht mehr so weit weg, schreibt das Internetmagazin CARTA

Die größte denkbare Kränkung des Journalistenethos steht bevor: Journalismus ohne Journalisten. Das Computerprogramm “Stat Monkey” kann Spielberichte so gut wie eilige Sportjournalisten produzieren. Es zeigt: Auch “Qualitätsjournalismus” geht häufig nicht über das Baukastenschema hinaus.
...
Allenfalls der Name ihres Konzepts ist surreal. Sie nennen es Stat Monkey – Statistik-Affe. Der Rest ist ungeheuer handfest. Denn das Programm wurde – ähnlich der Analyseabläufe in Schachcomputern – so weit verfeinert und verästelt, dass es eine ganz bemerkenswerte Qualitätsstufe erreicht. Die Texte sind so gut wie das, was eilige Sportjournalisten unter dem Termindruck einer aktuellen Berichterstattung produzieren. Als Ausgangspunkt widmeten sich die Studenten dem in den USA populären Baseball, einer Sportart, die traditionell eine enorme Dichte statistischer Detailinformationen produziert. Die Daten wiederum bilden das Gerüst für das Material, das vom Computer zu kohärenten Einschätzungen des Geschehens umgetextet werden kann. Die Resultate sind nicht nur lesbar, sondern durchaus sinnig geschrieben.
Neues Layout
gamat72 mal wieder in einem neuen Layout. Ich habe auf ein Theme von Ourblogtemplates.com zurückgegriffen, und es etwas angepasst. Vor allem die Schriftgröße, die ich jetzt viel besser lesbar finde. Mir haben vor allem die (eigentlich fast nicht vorhandenen) Farben und der absolute Minimalismus gefallen.

Herbststag
Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
Und auf den Fluren laß die Winde los.
Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
Gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
Dränge sie zur Vollendung hin und jage
Die letzte Süße in den schweren Wein.
Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
Wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
Und wird in den Alleen hin und her
Unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.
Rainer Maria Rilke

Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
Und auf den Fluren laß die Winde los.
Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
Gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
Dränge sie zur Vollendung hin und jage
Die letzte Süße in den schweren Wein.
Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
Wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
Und wird in den Alleen hin und her
Unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.
Rainer Maria Rilke
Literatur-Nobelpreis für Herta Müller
Den Literatur-Nobelpreis erhält - recht überraschend -in diesem Jahr die in Rumänien geborene Deutsche Herta Müller. Die Königlich-Schwedische Akademie in Stockholm begründete ihre Auswahl unter anderem mit der Reinheit der Dichtung, die Müllers Werken innewohne. Müller zeichne "mittels der Verdichtung der Poesie und der Sachlichkeit der Prosa Landschaften der Heimatlosigkeit".
Die Schriftstellerin lebt in Berlin. Sie wurde am 17. August 1953 im rumänischen Nitzkydorf im damals noch teilweise deutschprachigen Banat geboren. Ihre Eltern gehörten der dortigen deutschsprachigen Minderheit an. In ihrer Heimat mit einem Publikationsverbot belegt, verließ sie 1987 Rumänien und zog in die Bundesrepublik. Ihr erstes Buch "Niederungen" erschien 1984 in der Bundesrepublik und fand viel Beachtung. Alle ihre Werke sind geprägt von ihren Erfahrungen im totalitären Ceausescu-Regime. An diesem Thema arbeitet sie.
In ihrem aktuellen Roman verarbeitet sie das Schicksal von Rumäniendeutschen, die in der Sowjetunion in Arbeitslager interniert waren. Denn mit „Atemschaukel“, dem fiktionalen Bericht des jungen Hermannstädters Leopold Auberger, der mit siebzehn Jahren im Januar 1945 in ein sowjetisches Arbeitslager deportiert wird, hat Herta Müller ihr großes literarisches Thema des Lebens in der Diktatur nicht verlassen, doch entscheidend erweitert.
Alle 17- bis 45-jährigen Rumäniendeutschen wurden im Januar 1945 in sowjetische Arbeitslager verschleppt, weil sich das diktatorisch regierte Rumänien Hitler angeschlossen hatte. Zu den Deportierten zählte auch der junge 17-jährige Oskar Pastior, der erst 1949 wieder freikam (und später, 1968, nach Deutschland floh), aber auch die Mutter der in Rumänien geborenen Dichterin Herta Müller. Müller hatte das Buch gemeinsam mit Oskiar Pastior begonnen, der jedoch 2006 verstarb.
DEr "große" Literaturkritiker MRR kommentierte die Entscheidung der Akademie nicht - ein Armutszeugnis, wie ich finde. Aber da MRR ja schon lange Philip Roth als einzigen Favoriten und unedingten Anwärter für den Nobelpreis sieht, vielleicht sogar etwas zu verstehen. (Dass Philip Roth den Preis ebenso verdient, ist dabei nicht die Frage.)
"Atemschaukel" ist übrigens auch für den Deutschen Buchpreis nominiert.
Müller ist erst die zwölfte Frau, die den 1901 erstmals verliehenen Literaturnobelpreis erhalten hat. Letzter deutscher Literaturnobelpreisträger war Günter Grass im Jahr 1999. Die Auszeichnung ist mit umgerechnet rund 970.000 Euro dotiert und wird am 10. Dezember in Stockholm verliehen.
Werke von Herta Müller:
Wichtige Werke sind die Erzählungbände "Niederungen" (1984), "Der Mensch ist ein großer Fasan auf der Welt" (1986) und "Barfüßiger Februar" (1987); außerdem die Romane "Der Fuchs war damals schon der Jäger" (1992), "Herztier" (1994), "Heute wär ich mir lieber nicht begegnet" (1997) und "Atemschaukel" (2009). Müller verfasste auch die Essay-Sammlungen "Der Fremde Blick oder das Leben ist ein Furz in der Laterne" (1999), "Der Teufel sitzt im Spiegel" (1991), "Hunger und Seide" (1995) und "Der König verneigt sich und tötet" (2003).
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Die Schriftstellerin lebt in Berlin. Sie wurde am 17. August 1953 im rumänischen Nitzkydorf im damals noch teilweise deutschprachigen Banat geboren. Ihre Eltern gehörten der dortigen deutschsprachigen Minderheit an. In ihrer Heimat mit einem Publikationsverbot belegt, verließ sie 1987 Rumänien und zog in die Bundesrepublik. Ihr erstes Buch "Niederungen" erschien 1984 in der Bundesrepublik und fand viel Beachtung. Alle ihre Werke sind geprägt von ihren Erfahrungen im totalitären Ceausescu-Regime. An diesem Thema arbeitet sie.
In ihrem aktuellen Roman verarbeitet sie das Schicksal von Rumäniendeutschen, die in der Sowjetunion in Arbeitslager interniert waren. Denn mit „Atemschaukel“, dem fiktionalen Bericht des jungen Hermannstädters Leopold Auberger, der mit siebzehn Jahren im Januar 1945 in ein sowjetisches Arbeitslager deportiert wird, hat Herta Müller ihr großes literarisches Thema des Lebens in der Diktatur nicht verlassen, doch entscheidend erweitert.
Alle 17- bis 45-jährigen Rumäniendeutschen wurden im Januar 1945 in sowjetische Arbeitslager verschleppt, weil sich das diktatorisch regierte Rumänien Hitler angeschlossen hatte. Zu den Deportierten zählte auch der junge 17-jährige Oskar Pastior, der erst 1949 wieder freikam (und später, 1968, nach Deutschland floh), aber auch die Mutter der in Rumänien geborenen Dichterin Herta Müller. Müller hatte das Buch gemeinsam mit Oskiar Pastior begonnen, der jedoch 2006 verstarb.
DEr "große" Literaturkritiker MRR kommentierte die Entscheidung der Akademie nicht - ein Armutszeugnis, wie ich finde. Aber da MRR ja schon lange Philip Roth als einzigen Favoriten und unedingten Anwärter für den Nobelpreis sieht, vielleicht sogar etwas zu verstehen. (Dass Philip Roth den Preis ebenso verdient, ist dabei nicht die Frage.)
"Atemschaukel" ist übrigens auch für den Deutschen Buchpreis nominiert.
Müller ist erst die zwölfte Frau, die den 1901 erstmals verliehenen Literaturnobelpreis erhalten hat. Letzter deutscher Literaturnobelpreisträger war Günter Grass im Jahr 1999. Die Auszeichnung ist mit umgerechnet rund 970.000 Euro dotiert und wird am 10. Dezember in Stockholm verliehen.
Werke von Herta Müller:
Wichtige Werke sind die Erzählungbände "Niederungen" (1984), "Der Mensch ist ein großer Fasan auf der Welt" (1986) und "Barfüßiger Februar" (1987); außerdem die Romane "Der Fuchs war damals schon der Jäger" (1992), "Herztier" (1994), "Heute wär ich mir lieber nicht begegnet" (1997) und "Atemschaukel" (2009). Müller verfasste auch die Essay-Sammlungen "Der Fremde Blick oder das Leben ist ein Furz in der Laterne" (1999), "Der Teufel sitzt im Spiegel" (1991), "Hunger und Seide" (1995) und "Der König verneigt sich und tötet" (2003).
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Herta Müllers neuer Roman über den sowjetischen Gulag-Alltag ist ein atemberaubendes Meisterwerk
Gulag-Romane lassen sich nicht aus zweiter Hand schreiben. Herta Müllers Buch ist parfümiert und kulissenhaft
Aus Gesprächen mit dem Lyriker Oskar Pastior und anderen Überlebenden der sowjetischen Arbeitslager hat Herta Müller ihren neuen Roman "Atemschaukel" entworfen.
Sarrazin in der aktuellen Berlin-Ausgabe der Lettre International
Ganz ehrlich, das ist ein sehr komplexes Thema, das Thilo Sarrazin hier anspricht. Allerdings muss man eben auch sagen, ganz so einfach, wie er es sich macht, ist es eben auch nicht, auch wenn natürlich einige Gedanken, prinzipiell richtig sind. Er vergisst - wohl zu Recht - als Bundesbanker aus einem gutsituierten Elternhaus, wie es den Einwanderern tatsächlich geht und sieht alles ein bisschen etwas zu sehr von oben an. Und dazu muss man sagen, hat er eben offenbar auch keine Ahnung. Zum Beispiel: Die Ostjuden waren in den 20er Jahren ziemlich verhasst, waren wohl gar Auslöser einer neuen Welle des Antisemitismus in Europa. Während den sogenannten Westjuden im Laufe eines Jahrhunderts eine weitgehende Assimilierung gelungen war, schuf die ostjüdische Welle von neuem eine tiefe Kluft zwischen diesen und den Mitteleuropäern. Die Westjuden standen kulturell und geistig den Nicht-Juden, die sie umgeben, ungleich näher als den Ostjuden, die auch ihnen wesensfremd waren. Denn die neuen jüdischen Einwanderer kamen aus einem sehr fremden Milieu, aus einer sehr fremden Zivilisation, mit sehr fremden Sitten und Lebensformen. Und es wurden nur sehr wenige reich, der Großteil blieb arm. Die Frage bleibt auch, inwieweit haben sie sich damals integriert? Viele sind dann nach Amerika ausgewandert oder auch nach Polen und Rußland zurückgegangen. Mehr hier. Und wie war das mit den Deutschen im Ausland? Wie waren die, etwa in Rumänien, integriert?
Und dazu kommt die eigentlich schon unflätige Sprache, á la "Kopftuchmädchen". Nachfolgend der fragliche Auszug aus dem Interview Sarrazins in der aktuellen Ausgabe der Lettre International:
„Man muss aufhören, von ‚den’ Migranten zu reden. Wir müssen uns einmal die unterschiedlichen Migrantengruppen anschauen. Die Vietnamesen: Die Eltern können kaum Deutsch, verkaufen Zigaretten oder haben einen Kiosk. Die Vietnamesen der zweiten Generation haben dann durchweg bessere Schulnoten und höhere Abiturientenquoten als die Deutschen. Die Osteuropäer, Ukrainer, Weißrussen, Polen, Russen weisen tendenziell dasselbe Ergebnis auf. Sie sind integrationswillig, passen sich schnell an und haben überdurchschnittliche akademische Erfolge. Die Deutschrussen haben große Probleme in der ersten, teilweise auch der zweiten Generation, danach läuft es wie am Schnürchen, weil sie noch eine altdeutsche Arbeitsauffassung haben. Sobald die Sprachhindernisse weg sind, haben sie höhere Abiturienten- und Studentenanteile usw. als andere. Bei den Ostasiaten, Chinesen und Indern ist es dasselbe. Bei den Kerngruppen der Jugoslawen sieht man dann schon eher ‚türkische’ Probleme; absolut abfallend sind die türkische Gruppe und die Araber. Auch in der dritten Generation haben sehr viele keine vernünftigen Deutschkenntnisse, viele gar keinen Schulabschluss, und nur ein kleiner Teil schafft es bis zum Abitur. […] Je niedriger die Schicht, um so höher die Geburtenrate. Die Araber und Türken haben einen zwei- bis dreimal höheren Anteil an Geburten, als es ihrem Bevölkerungsanteil entspricht. Große Teile sind weder integrationswillig noch integrationsfähig. Die Lösung dieses Problems kann nur heißen: Kein Zuzug mehr, und wer heiraten will, sollte dies im Ausland tun. Ständig werden Bräute nachgeliefert: Das türkische Mädchen hier wird mit einem Anatolen verheiratet, der türkische Junge hier bekommt eine Braut aus einem anatolischen Dorf. Bei den Arabern ist es noch schlimmer. Meine Vorstellung wäre: generell kein Zuzug mehr außer für Hochqualifizierte und perspektivisch keine Transferleistungen mehr für Einwanderer. In den USA müssen Einwanderer arbeiten, weil sie kein Geld bekommen, und werden deshalb viel besser integriert. Man hat Studien zu arabischen Ausländergruppen aus demselben Clan gemacht; ein Teil geht nach Schweden mit unserem Sozialsystem, ein anderer Teil geht nach Chicago. Dieselbe Sippe ist nach zwanzig Jahren in Schweden immer noch frustriert und arbeitslos, in Chicago hingegen integriert. Der Druck des Arbeitsmarktes, der Zwang des Broterwerbs sorgen dafür. Das sind Dinge, die man nur durch Bundesrecht ändern kann. Für Berlin ist meine Prognose düster, was diese Themen betrifft. Aber es kann in einer Stadt, in der man prächtig leben kann, gleichzeitig kompakte und wachsende, ungelöste Probleme geben. Genauso wird es in Berlin werden. […] Die Integration hat Stufen. Die erste Vorstufe ist, dass man Deutsch lernt, die zweite, dass man vernünftig durch die Grundschule kommt, die dritte, dass man aufs Gymnasium geht, dort Examen macht und studiert. Wenn man durch ist, dann braucht man gleiche Chancen im öffentlichen Dienst. So ist die Reihenfolge. Es ist ein Skandal, dass die Mütter der zweiten, dritten Generation immer noch kein Deutsch können, es allenfalls die Kinder können, und die lernen es nicht wirklich. Es ist ein Skandal, wenn türkische Jungen nicht auf weibliche Lehrer hören, weil ihre Kultur so ist. Integration ist eine Leistung dessen, der sich integriert. Jemanden, der nichts tut, muss ich auch nicht anerkennen. Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert. Das gilt für siebzig Prozent der türkischen und für neunzig Prozent der arabischen Bevölkerung in Berlin. Viele von ihnen wollen keine Integration, sondern ihren Stiefel leben. Zudem pflegen sie eine Mentalität, die als gesamtstaatliche Mentalität aggressiv und atavistisch ist. […] Die Türken erobern Deutschland genauso, wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch eine höhere Geburtenrate. Das würde mir gefallen, wenn es osteuropäische Juden wären mit einem um 15 Prozent höheren IQ als dem der deutschen Bevölkerung. Ich habe dazu keine Lust bei Bevölkerungsgruppen, die ihre Bringschuld zur Integration nicht akzeptieren, und auch, weil es extrem viel Geld kostet und wir in den nächsten Jahrzehnten genügend andere große Herausforderungen zu bewältigen haben. […] Man stößt gegen viele Mauern der politischen Korrektheit, aber man merkt, dass der Ton an Deutlichkeit zunimmt, wir haben noch nicht verstanden, dass wir ein kleines Volk sind. Wir verstehen uns immer noch als ein großes Volk. 1939, als der Zweite Weltkrieg begann, hatte Deutschland 79 Millionen Einwohner, die USA 135, Russland 160 und England 50. Die Proportionen haben sich völlig verschoben. Wenn von unseren 80 Millionen praktisch dreißig Prozent im Rentenalter sind, sind wir bereits eine relativ kleine Bevölkerung. Wir sind näher an den Holländern und Dänen als an den USA. Dass diese kleinen Völker ihre Ausländer heute mit viel radikaleren Programmen als wir forciert integrieren, hat einen guten Grund. Heute muss man Sprachtests in den Botschaften machen, davor darf man gar nicht einreisen. Sie haben spät angefangen, aber sie haben wenigstens angefangen. Wenn die Türken sich so integrieren würden, dass sie im Schulsystem einen anderen Gruppen vergleichbaren Erfolg hätten, würde sich das Thema auswachsen. Der vietnamesische Kioskbesitzer wird immer gebrochen Deutsch sprechen, weil er erst mit dreißig eingewandert ist und ungebildet war. Wenn seine Kinder Abitur machen oder Handwerker werden, hat sich die Sache erledigt. Türkische Anwälte, türkische Arzte, türkische Ingenieure werden auch Deutsch sprechen, und dann wird sich der Rest relativieren. So aber geschieht nichts. Die Berliner meinen immer, sie hätten besonders große Ausländeranteile; das ist falsch. Die Ausländeranteile von München, Stuttgart, Köln oder Hamburg sind viel höher. Aber die Ausländer dort haben einen geringeren Anteil an Türken und Arabern und mischen sich über breite Ausländergruppen. Zudem sind die Migranten in den Produktionsprozess integriert. Während es bei uns eine breite Unterschicht gibt, die nicht in Arbeitsprozesse integriert ist. Doch das Berliner Unterschichtproblem reicht weit darüber hinaus. Darum bin ich pessimistisch. Wir haben in Berlin vierzig Prozent Unterschichtgeburten, und die füllen die Schulen und die Klassen, darunter viele Kinder von Alleinerziehenden. Wir müssen in der Familienpolitik völlig umstellen: weg von Geldleistungen, vor allem bei der Unterschicht. Ich erinnere an ein Dossier der ‚Zeit’ dazu. Es berichtet von den zwanzig Tonnen Hammelresten der türkischen Grillfeste, die die Stadtreinigung jeden Montagmorgen aus dem Tiergarten beseitigt — das ist keine Satire. Der Neuköllner Bürgermeister Buschkowsky erzählt von einer Araberfrau, die ihr sechstes Kind bekommt, weil sie durch Hartz IV damit Anspruch auf eine größere Wohnung hat. Von diesen Strukturen müssen wir uns verabschieden. Man muss davon ausgehen, dass menschliche Begabung zu einem Teil sozial bedingt ist, zu einem anderen Teil jedoch erblich. Der Weg, den wir gehen, führt dazu, dass der Anteil der intelligenten Leistungsträger aus demographischen Gründen kontinuierlich fällt. So kann man keine nachhaltige Gesellschaft bauen, das geht für ein, zwei, drei Generationen gut, dann nicht mehr. Das klingt sehr stammtischnah, aber man kann das empirisch sehr sorgfältig nachzeichnen.“
Quelle: Sarrazin in Lettre International

Und dazu kommt die eigentlich schon unflätige Sprache, á la "Kopftuchmädchen". Nachfolgend der fragliche Auszug aus dem Interview Sarrazins in der aktuellen Ausgabe der Lettre International:
„Man muss aufhören, von ‚den’ Migranten zu reden. Wir müssen uns einmal die unterschiedlichen Migrantengruppen anschauen. Die Vietnamesen: Die Eltern können kaum Deutsch, verkaufen Zigaretten oder haben einen Kiosk. Die Vietnamesen der zweiten Generation haben dann durchweg bessere Schulnoten und höhere Abiturientenquoten als die Deutschen. Die Osteuropäer, Ukrainer, Weißrussen, Polen, Russen weisen tendenziell dasselbe Ergebnis auf. Sie sind integrationswillig, passen sich schnell an und haben überdurchschnittliche akademische Erfolge. Die Deutschrussen haben große Probleme in der ersten, teilweise auch der zweiten Generation, danach läuft es wie am Schnürchen, weil sie noch eine altdeutsche Arbeitsauffassung haben. Sobald die Sprachhindernisse weg sind, haben sie höhere Abiturienten- und Studentenanteile usw. als andere. Bei den Ostasiaten, Chinesen und Indern ist es dasselbe. Bei den Kerngruppen der Jugoslawen sieht man dann schon eher ‚türkische’ Probleme; absolut abfallend sind die türkische Gruppe und die Araber. Auch in der dritten Generation haben sehr viele keine vernünftigen Deutschkenntnisse, viele gar keinen Schulabschluss, und nur ein kleiner Teil schafft es bis zum Abitur. […] Je niedriger die Schicht, um so höher die Geburtenrate. Die Araber und Türken haben einen zwei- bis dreimal höheren Anteil an Geburten, als es ihrem Bevölkerungsanteil entspricht. Große Teile sind weder integrationswillig noch integrationsfähig. Die Lösung dieses Problems kann nur heißen: Kein Zuzug mehr, und wer heiraten will, sollte dies im Ausland tun. Ständig werden Bräute nachgeliefert: Das türkische Mädchen hier wird mit einem Anatolen verheiratet, der türkische Junge hier bekommt eine Braut aus einem anatolischen Dorf. Bei den Arabern ist es noch schlimmer. Meine Vorstellung wäre: generell kein Zuzug mehr außer für Hochqualifizierte und perspektivisch keine Transferleistungen mehr für Einwanderer. In den USA müssen Einwanderer arbeiten, weil sie kein Geld bekommen, und werden deshalb viel besser integriert. Man hat Studien zu arabischen Ausländergruppen aus demselben Clan gemacht; ein Teil geht nach Schweden mit unserem Sozialsystem, ein anderer Teil geht nach Chicago. Dieselbe Sippe ist nach zwanzig Jahren in Schweden immer noch frustriert und arbeitslos, in Chicago hingegen integriert. Der Druck des Arbeitsmarktes, der Zwang des Broterwerbs sorgen dafür. Das sind Dinge, die man nur durch Bundesrecht ändern kann. Für Berlin ist meine Prognose düster, was diese Themen betrifft. Aber es kann in einer Stadt, in der man prächtig leben kann, gleichzeitig kompakte und wachsende, ungelöste Probleme geben. Genauso wird es in Berlin werden. […] Die Integration hat Stufen. Die erste Vorstufe ist, dass man Deutsch lernt, die zweite, dass man vernünftig durch die Grundschule kommt, die dritte, dass man aufs Gymnasium geht, dort Examen macht und studiert. Wenn man durch ist, dann braucht man gleiche Chancen im öffentlichen Dienst. So ist die Reihenfolge. Es ist ein Skandal, dass die Mütter der zweiten, dritten Generation immer noch kein Deutsch können, es allenfalls die Kinder können, und die lernen es nicht wirklich. Es ist ein Skandal, wenn türkische Jungen nicht auf weibliche Lehrer hören, weil ihre Kultur so ist. Integration ist eine Leistung dessen, der sich integriert. Jemanden, der nichts tut, muss ich auch nicht anerkennen. Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert. Das gilt für siebzig Prozent der türkischen und für neunzig Prozent der arabischen Bevölkerung in Berlin. Viele von ihnen wollen keine Integration, sondern ihren Stiefel leben. Zudem pflegen sie eine Mentalität, die als gesamtstaatliche Mentalität aggressiv und atavistisch ist. […] Die Türken erobern Deutschland genauso, wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch eine höhere Geburtenrate. Das würde mir gefallen, wenn es osteuropäische Juden wären mit einem um 15 Prozent höheren IQ als dem der deutschen Bevölkerung. Ich habe dazu keine Lust bei Bevölkerungsgruppen, die ihre Bringschuld zur Integration nicht akzeptieren, und auch, weil es extrem viel Geld kostet und wir in den nächsten Jahrzehnten genügend andere große Herausforderungen zu bewältigen haben. […] Man stößt gegen viele Mauern der politischen Korrektheit, aber man merkt, dass der Ton an Deutlichkeit zunimmt, wir haben noch nicht verstanden, dass wir ein kleines Volk sind. Wir verstehen uns immer noch als ein großes Volk. 1939, als der Zweite Weltkrieg begann, hatte Deutschland 79 Millionen Einwohner, die USA 135, Russland 160 und England 50. Die Proportionen haben sich völlig verschoben. Wenn von unseren 80 Millionen praktisch dreißig Prozent im Rentenalter sind, sind wir bereits eine relativ kleine Bevölkerung. Wir sind näher an den Holländern und Dänen als an den USA. Dass diese kleinen Völker ihre Ausländer heute mit viel radikaleren Programmen als wir forciert integrieren, hat einen guten Grund. Heute muss man Sprachtests in den Botschaften machen, davor darf man gar nicht einreisen. Sie haben spät angefangen, aber sie haben wenigstens angefangen. Wenn die Türken sich so integrieren würden, dass sie im Schulsystem einen anderen Gruppen vergleichbaren Erfolg hätten, würde sich das Thema auswachsen. Der vietnamesische Kioskbesitzer wird immer gebrochen Deutsch sprechen, weil er erst mit dreißig eingewandert ist und ungebildet war. Wenn seine Kinder Abitur machen oder Handwerker werden, hat sich die Sache erledigt. Türkische Anwälte, türkische Arzte, türkische Ingenieure werden auch Deutsch sprechen, und dann wird sich der Rest relativieren. So aber geschieht nichts. Die Berliner meinen immer, sie hätten besonders große Ausländeranteile; das ist falsch. Die Ausländeranteile von München, Stuttgart, Köln oder Hamburg sind viel höher. Aber die Ausländer dort haben einen geringeren Anteil an Türken und Arabern und mischen sich über breite Ausländergruppen. Zudem sind die Migranten in den Produktionsprozess integriert. Während es bei uns eine breite Unterschicht gibt, die nicht in Arbeitsprozesse integriert ist. Doch das Berliner Unterschichtproblem reicht weit darüber hinaus. Darum bin ich pessimistisch. Wir haben in Berlin vierzig Prozent Unterschichtgeburten, und die füllen die Schulen und die Klassen, darunter viele Kinder von Alleinerziehenden. Wir müssen in der Familienpolitik völlig umstellen: weg von Geldleistungen, vor allem bei der Unterschicht. Ich erinnere an ein Dossier der ‚Zeit’ dazu. Es berichtet von den zwanzig Tonnen Hammelresten der türkischen Grillfeste, die die Stadtreinigung jeden Montagmorgen aus dem Tiergarten beseitigt — das ist keine Satire. Der Neuköllner Bürgermeister Buschkowsky erzählt von einer Araberfrau, die ihr sechstes Kind bekommt, weil sie durch Hartz IV damit Anspruch auf eine größere Wohnung hat. Von diesen Strukturen müssen wir uns verabschieden. Man muss davon ausgehen, dass menschliche Begabung zu einem Teil sozial bedingt ist, zu einem anderen Teil jedoch erblich. Der Weg, den wir gehen, führt dazu, dass der Anteil der intelligenten Leistungsträger aus demographischen Gründen kontinuierlich fällt. So kann man keine nachhaltige Gesellschaft bauen, das geht für ein, zwei, drei Generationen gut, dann nicht mehr. Das klingt sehr stammtischnah, aber man kann das empirisch sehr sorgfältig nachzeichnen.“
Quelle: Sarrazin in Lettre International
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