Image via WikipediaDer nun mittlerweile gar nicht mehr so neue Rom,an von
Juli Zeh - Schilf lässt mich mit, nunja, gespaltener Meinung zurück. Es ist mal wieder schön gewesen einen Krimi zu lesen. Aber er schien mir bisschen überambitioniert, obwohl ich nicht genau beschreiben kann, warum. Ist er doch gut geschrieben, es werden tatsächlich große Themen an der Grenze von Physik und Metaphysik diskutiert, die Suche nach Vereinheitlichung von Quantenmechanik und allgemeiner Relativitätstheorie.
Der geschilderte Kriminalfall dreht sich um den an einem Hirntumor leidenden Kommissar Schilf, der die Entführung des Sohnes eines renommierten Nachwuchsphysikers aufzuklären hat, nebenbei gibt es einen juristischen Grundkurs, was etwa Nötigungsnotstand ist. (Gott, lange her.) Der Täter war dann - für einen Krimi zu früh - ganz schnell klar. Zumindest für einen wenigsten Gelegenheitskrimileser schon weil es einfach zu wenige eingeführte Charaktere gab. Achja, oft fliegen Vögel auf.
Sehr zutreffend schreibt
Katharina Bendixen (
poetenladen.de)"Wie sich
Adler und Engel auf Max und Clara und
Spieltrieb auf Ada und Alev verlassen, baut auch
Schilf über weite Strecken auf die Exzentrik und die Intellektualität vor allem von Oskar, Rita Skura und Schilf. Die Überzogenheit der Figuren macht den Roman zwar interessant und spannend, verstärkt jedoch gleichzeitig die Konstruiertheit der Handlung und der Sprache. Lässt man die zahlreichen Personenbeschreibungen beiseite, ist die Geschichte in wenigen Stichpunkten zusammenzufassen: Es geht um Zeit und Paralleluniversen, um die Idee eines Zeitmaschinenmörders, einen Artikel im
Spiegel und eine Sendung im
ZDF, um einen geköpften Fahrradfahrer und einen Schmetterlingssammler. Mückenstiche überführen, und Freundschaften zerbrechen. Das alles ist spannender erzählt als in einem Tatort und plastischer beschrieben als in den meisten deutschsprachigen Gegenwartsromanen. Aber es krankt an der allgegenwärtigen Konstruiertheit von Plot, Sprache und Figuren, an einer schriftstellerischen Überangestrengtheit, die anstrengt."